Fadendrainage

Eine Fadendrainage ist ein chirurgisches Verfahren zur Behandlung von Analfisteln (unnatürliche Gänge zwischen Darminneren und Haut). Dabei wird ein spezieller Faden durch den Fistelkanal gezogen und fixiert. Der Faden hält die Fistel offen, ermöglicht kontinuierliche Ableitung von Sekret und verhindert, dass die äußere Öffnung zu früh verschließt.

Häufig dient die Fadendrainage nicht als endgültige Heilung, sondern bereitet weitere Behandlungsschritte vor.

Analfisteln entstehen meist durch Entzündungen von Drüsen im Analkanal. Solche Fisteln können einfach verlaufen. Bei chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn (eine entzündliche Erkrankung, die den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann) werden sie deutlich komplizierter.

Wann wird Fadendrainage eingesetzt?

Ärzte setzen eine Fadendrainage vor allem bei hochtranssphinktären Fisteln ein. Das sind Fisteln, die den Schließmuskel durchqueren. Bei akuter Entzündung dient die Fadendrainage oft als Erstmaßnahme, um Sekret abzuleiten und das betroffene Gewebe zu entlasten. Später folgt dann ein weiterer Eingriff zur endgültigen Behandlung.

Bei Morbus-Crohn-Patienten kann die Fadendrainage als langfristige Lösung sinnvoll sein, wenn andere operative Verfahren aufgrund lokaler Entzündungen weniger erfolgsversprechend sind. Auch bei verschachtelten Fistelsystemen mit mehreren Gängen kommt das Verfahren zum Einsatz.

Der typische Zeitpunkt ist nach einer Abszessdrainage. Die Fadendrainage markiert dann den Fistelkanal und hält ihn offen, bis die nächste Therapie erfolgen kann.

Wie funktioniert die Fadendrainage?

Der Chirurg platziert einen Faden aus Nylon, Gummi oder Silikon durch den Fistelkanal. Diese Materialien werden vom Körper nicht abgebaut (sogenannte nicht-resorbierbare Materialien). Das weiche Material wird nach außen geknotet und fixiert. Es gibt zwei grundlegende Varianten:

  1. Lockere Fadendrainage: Der Faden liegt locker im Kanal. Er dient nur der Drainage und Markierung, ohne aktiv Gewebe zu durchtrennen. Dieses Verfahren ist am weitesten verbreitet.
  2. Schneidender Faden: Eine aggressive Variante, bei der der Faden nach und nach gestrafft wird. Er schneidet langsam durch das Gewebe. Obwohl die Heilungsraten hoch sind, erreichen Inkontinenzraten bei dieser Methode bis zu 92 Prozent (vgl. Ommer et al. 2011). Deshalb wird diese Methode heute nicht mehr empfohlen.

Grenzen der Fadendrainage

Medizinische Leitlinien sehen die Hauptfunktion der Fadendrainage in der Vorbereitung für eine spätere definitive Operation (vgl. Ommer et al. 2011). Eine dauerhafte Heilung allein durch Fadendrainage ist selten. In den meisten Fällen bleibt der Faden über Wochen bis Monate liegen, während weitere Schritte geplant werden.

Manchmal dient die Fadendrainage als langfristige Drainage-Lösung bei chronischen Verläufen. Das gilt besonders bei Morbus Crohn-Patienten. Spontane Heilung mit Fadenentfernung kommt nur ausnahmsweise vor.

Nachsorge und Pflege

Patienten müssen den Bereich mehrmals täglich reinigen. Idealerweise nach jedem Toilettengang mit lauwarmem Wasser. Mindestens zwei bis drei Reinigungen täglich sind erforderlich. Regelmäßige ärztliche Kontrollen beurteilen den Heilungsverlauf und entscheiden über weitere Therapieschritte.

Die Verweildauer des Fadens beträgt je nach Therapieziel mehrere Wochen bis Monate.

Alternativen

Neben der Fadendrainage stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung:

  • Fistulotomy: Offene Spaltung der Fistel
  • Plastische Rekonstruktion mit Sphinkternaht: Aufwändiger, aber schließmuskelschonend
  • Verschluss mit Biomaterialien: Moderne Verschlusstechniken
  • Anti-TNF-Therapie: Besonders bei Morbus Crohn-Fisteln
  • Chirurgischer Verschluss: Definitive operative Lösung
  • Laser-Fistulektomie: Moderne minimalinvasive Technik

Die Wahl hängt von Fisteltyp, Lokalisation, Grunderkrankung und individueller Situation ab.


Quellen

Ommer, A., Herold, A., Berg, E., Fürst, A., Sailer, M., Schiedeck, T. (2011): Kryptoglanduläre Analfisteln, Deutsches Ärzteblatt International, 108 (42): 707-713, [online] https://www.aerzteblatt.de/archiv/109828/Kryptoglandulaere-Analfisteln [Abrufdatum: 20.11.2025].


Fachliche Information

Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.

Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte medizinisches Fachpersonal.

Notruf: In medizinischen Notfällen wählen Sie 112 (Rettungsdienst) oder 116 117 (Ärztlicher Bereitschaftsdienst).

Veröffentlicht: 2025-12-15