Ein Hämatom ist eine Blutansammlung im Gewebe oder in einem Hohlraum des Körpers. Sie entsteht, wenn Blut aus beschädigten Gefäßen austritt. Im Alltag spricht man vom Bluterguss oder blauen Fleck.
Die meisten kennen Hämatome als harmlose Verfärbungen nach einem Stoß. Allerdings kann Blut auch im Körperinneren austreten – in Muskeln, an Organen oder im Gehirn. Oberflächliche Hämatome heilen meist von selbst ab. Tiefe oder große Blutansammlungen brauchen ärztliche Behandlung.
Hämatome entstehen, wenn Blutgefäße beschädigt werden. Am häufigsten passiert das durch Verletzungen: – Stürze – Prellungen – Stöße.
Nach Operationen bilden sich manchmal Blutansammlungen im Gewebe.
Auch Medikamente spielen eine Rolle. Blutverdünnende Mittel wie Aspirin verzögern die Gerinnung. Besonders ältere Menschen sind anfällig für Blutergüsse.
Bei Blutgerinnungsstörungen wie Hämophilie (Bluterkrankheit) bluten Gefäße länger.
Ein besonderes Beispiel ist das chronische subdurale Hämatom. Beim chronischen subduralen Hämatom (langanhaltender Bluterguss zwischen den Hirnhäuten) sammelt sich über mindestens drei Wochen Blut zwischen den Hirnhäuten an, oft nach einem leichten Trauma (Verletzung) oder auch spontan (vgl. Hamou et al. 2022). Häufig liegt dabei nur ein Bagatelltrauma zugrunde, also eine sehr leichte Verletzung, die viele Betroffene gar nicht mehr erinnern. Angiogenetische Stimuli (gefäßbildende Reize) führen zu fragilen (brüchigen) Gefäßen, und wiederholte Mikroblutungen (kleinste Blutungen) tragen zur Vergrößerung des Hämatoms bei.
Wie sich ein Hämatom zeigt, hängt davon ab, wo es liegt und wie groß es ist.
Subkutane Hämatome (unter der Haut) kennt jeder: Die Stelle verfärbt sich zunächst blau oder violett, später grün und gelblich. Schwellung und Schmerzen kommen dazu. Solche Hämatome heilen meist von allein ab.
Wundhämatome nach Operationen sind problematischer. Sie können die Wundheilung stören und zu Wunddehiszenz (Aufplatzen der Wunde) oder Infektionen führen.
Beim chronischen subduralen Hämatom zeigen sich oft unspezifische Beschwerden. Betroffene klagen über Kopfschmerzen, werden unsicher beim Gehen oder merken, dass ihre geistigen Fähigkeiten nachlassen – kognitive Einbußen (Verschlechterung der geistigen Leistung).
Manchmal treten fokale neurologische Defizite (Ausfälle des Nervensystems) auf, also örtlich begrenzte Ausfälle: Hemiparese (halbseitige Lähmung) oder Aphasie (Sprachstörung). Das chronische subdurale Hämatom gehört zu den wenigen behandelbaren Ursachen einer demenziellen Entwicklung (fortschreitender geistiger Abbau).
Intrakranielle Hämatome (Blutergüsse im Schädel) sind Notfälle. Sie verdrängen gesundes Hirngewebe und können schwere neurologische Schäden verursachen.
Wundhämatome treten nach Operationen häufig auf. Sie stören die Wundheilung und erhöhen das Risiko für Infektionen.
Per Sonografie (Ultraschall-Untersuchung) lassen sich Blutansammlungen im Wundgebiet sichtbar machen. Kleine Hämatome baut der Körper selbst ab. Bei größeren kann eine Punktion helfen – dabei wird das Blut mit einer Nadel abgesaugt.
Große Wundhämatome müssen operativ behandelt werden. Das Hämatom wird ausgeräumt, die Blutstillung (Stoppen der Blutung) durchgeführt.
Wer Gerinnungshemmer einnimmt, sollte das unbedingt dem Arzt sagen. Wie man bei chronischen subduralen Hämatomen am besten mit blutverdünnenden Medikamenten umgeht, ist noch nicht abschließend geklärt. Deutschland verfügt über keine speziellen Richtlinien zu diesem Thema (vgl. Hamou et al. 2022).
Ältere Menschen sollten Stolperfallen in der Wohnung beseitigen. Das Risiko steigt mit dem Alter stark an: Bei Menschen ab 80 Jahren tritt das chronische subdurale Hämatom etwa sieben Mal häufiger auf als bei 60- bis 69-Jährigen (vgl. Hamou et al. 2022).
Meist reicht der Blick: Subkutane Hämatome erkennt man an der typischen Verfärbung der Haut. Eine klinische Untersuchung sichert die Diagnose ab.
Bei Verdacht auf tiefere Blutansammlungen kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Sonografie (Ultraschall) eignet sich gut für Wundhämatome und Muskelblutungen. Vorteile: – schnell verfügbar – kostengünstig – keine Strahlenbelastung.
Hämatome im Schädel erfordern andere Verfahren. Die native Computertomografie (CT ohne Kontrastmittel) oder die kraniale Kernspintomografie (MRT des Gehirns) stellen Blutergüsse im Gehirn zuverlässig dar. Beim chronischen subduralen Hämatom zeigen beide Verfahren Lage und Ausdehnung präzise.
Die Kodierung von Hämatomen erfolgt nach Lokalisation und Entstehungsursache (vgl. ICD-Code.de o.J.):
Hauptcode: – T14.08 – Hämatom ohne Hautverletzung (subunguales Hämatom/unter dem Nagel, traumatisches Hämatom/durch Verletzung)
Spezifische Codes nach Lokalisation: – S36.11 – Prellung (Gewebequetschung) und Hämatom der Leber – S27.31 – Prellung und Hämatom der Lunge – S37.01 – Prellung und Hämatom der Niere – S36.01 – Hämatom der Milz
Geburtsverletzungen: – P10.0 – Subdurales Hämatom (zwischen den Hirnhäuten) durch Geburtsverletzung – P12 – Subgaleales Hämatom (unter der Kopfschwarte) durch Geburtsverletzung
Hamou, Hussam A. et al. (2022): Chronische subdurale Hämatome, in: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 119, Nr. 12, S. 208-213, [online] https://www.aerzteblatt.de/archiv/224160/Chronische-subdurale-Haematome [20.11.2025].
ICD-Code.de (o.J.): ICD-10-GM-2025, [online] https://www.icd-code.de [20.11.2025].
Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.
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Veröffentlicht: 2025-12-18