Jod (PVP Jod)

Povidon-Jod, kurz PVP-Jod, gehört zu den ältesten Antiseptika (keimtötenden Mitteln) in der Medizin. Der Wirkstoff wird bei Hautinfektionen, Wunden und Verbrennungen eingesetzt (vgl. Redaktion Gelbe Liste 2016). Dabei handelt es sich um einen Komplex aus Jod und dem Trägerstoff Povidon, der das Jod nach dem Auftragen langsam freisetzt.

Die Substanz tötet ein breites Spektrum von Krankheitserregern ab. Bakterien, Viren, Pilze und sogar Sporen werden erfasst. Resistenzen gegen PVP-Jod sind bislang nicht bekannt. Das freigesetzte Jod schädigt die Zellwand der Erreger so stark, dass diese absterben (vgl. Redaktion Gelbe Liste 2016).

Trotz dieser Eigenschaften hat PVP-Jod in der modernen Wundversorgung an Bedeutung verloren. Neuere Wirkstoffe haben das Mittel in vielen Bereichen abgelöst.

Anwendungsgebiete

PVP-Jod ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich: als Lösung, Salbe, Gel oder getränkte Gaze. Die typischen Einsatzgebiete umfassen die Hautdesinfektion vor Operationen, die Behandlung von Hautinfektionen und die Wundversorgung.

In der akuten Wundversorgung hat PVP-Jod allerdings nur noch eine sehr begrenzte Rolle. Als Mittel der Wahl gilt es vor allem bei Stich- und Schnittverletzungen mit Infektionsgefahr durch Hepatitis-B-Viren (HBV), Hepatitis-C-Viren (HCV) oder HIV (vgl. Kramer, Zastrow 2008). In diesem speziellen Fall wird es nach einer Phase des Blutenlassens aufgetragen.  

Es wird außerdem bei Tierbissen angewendet.

Für die alltägliche Wundversorgung empfehlen Experten hingegen andere Wirkstoffe.

Einschränkungen bei chronischen Wunden

Bei chronischen Wunden wie dem Ulcus cruris (offenes Bein) oder dem diabetischen Fußsyndrom schneidet PVP-Jod in wissenschaftlichen Untersuchungen schlecht ab. Trotz vorhandener Studien konnte für Cadexomer-Jod, PVP-Jod-Salbe, PVP-Jod-Gel und PVP-Jod-Gaze kein Nutzen nachgewiesen werden (vgl. Rüttermann et al. 2013).

Die Gründe dafür sind vielfältig. PVP-Jod zeigt bei chronischen Wunden eine Zytotoxizität (Zellschädigung), die den Heilungsprozess beeinträchtigen kann. Außerdem verliert der Wirkstoff bei Kontakt mit Blut, Eiter oder Wundexsudat einen Teil seiner Wirksamkeit.

Ein weiteres Problem ist die Resorptionstoxizität (Giftigkeit durch Aufnahme): Bei großflächiger oder langfristiger Anwendung kann Jod über die Wunde in den Körper gelangen und die Schilddrüse belasten.

Kontraindikationen

PVP-Jod darf bei bestimmten Patientengruppen nicht angewendet werden. Zu den absoluten Kontraindikationen (Gegenanzeigen) zählen manifeste oder latente Schilddrüsenerkrankungen (vgl. Below et al. 2007). Auch bei Neugeborenen sollte die Anwendung unterbleiben.

Selbst bei schilddrüsengesunden Patienten gilt: Eine langfristige Anwendung über Wochen und Monate sollte vermieden werden (vgl. Below et al. 2007). Die chronische Jodbelastung kann auch bei gesunden Menschen zu Problemen führen.

Weitere Einschränkungen bestehen bei bekannter Jodallergie, während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Medikamente.

Jod (PVP-Jod) – Bedeutung in der Wundversorgung  

Für Wundexperten ist das Wissen um PVP-Jod aus mehreren Gründen relevant. Obwohl der Wirkstoff historisch eine große Rolle spielte, hat sich die Fachwelt weitgehend von ihm abgewandt.

Die moderne Wundversorgung setzt auf Alternativen. Octenidin-basierte oder Polihexanid-basierte Präparate gelten heute als Mittel der Wahl für die Wundantiseptik (vgl. Kramer, Zastrow 2008). Diese neueren Wirkstoffe sind besser verträglich und beeinträchtigen die Wundheilung weniger.

Dennoch begegnet man PVP-Jod in der Praxis noch regelmäßig. Manche Patienten bringen Betaisodona oder ähnliche Präparate von zu Hause mit. Hier ist Aufklärung gefragt: Wundexperten sollten erklären können, warum andere Produkte für die Wundversorgung besser geeignet sind.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit spielt eine wichtige Rolle. Ärzte verordnen manchmal noch PVP-Jod-haltige Präparate. In solchen Fällen kann ein fachlicher Austausch sinnvoll sein, um gemeinsam die beste Lösung für den Patienten zu finden.

Bei Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen ist – wie schon erwähnt – besondere Vorsicht geboten. Hier muss die Anamnese (Krankengeschichte) sorgfältig erhoben werden, bevor jodhaltige Produkte überhaupt in Betracht gezogen werden.

Von einer Anwendung zusammen mit Antiseptika auf Basis von Octenidindihydrochlorid sollte ebenfalls abgesehen werden.

Aufgetragen werden sollte es tatsächlich alle paar Stunden, sofern eine Infektion vorhanden ist. 

Prävention

Aus Sicht der Wundversorgung bedeutet Prävention vor allem: die richtigen Produkte wählen. Statt PVP-Jod sollten bei chronischen Wunden von vornherein moderne Antiseptika eingesetzt werden.

Bei akuten Verletzungen im häuslichen Umfeld ist eine kurzzeitige Anwendung von PVP-Jod in der Regel unbedenklich. Bei größeren oder tieferen Wunden sollte jedoch ärztlicher Rat eingeholt werden.

Patienten mit bekannten Schilddrüsenproblemen sollten ihren behandelnden Arzt informieren, bevor jodhaltige Produkte angewendet werden. Dies gilt auch für scheinbar harmlose Anwendungen wie die Desinfektion kleiner Schnitte.

ATC-Klassifikation

  • D08AG02 – Povidon-Jod (Antiseptika und Desinfektionsmittel)

Quellen

Below, H., et al. (2007): Iodophore zur Prävention der Antiseptika-induzierten Hyperthyreose, in: GMS Krankenhaushygiene Interdisziplinär, Jg. 2, Nr. 1, [online] https://www.egms.de/static/de/journals/dgkh/2007-2/dgkh000074.shtml [24.11.2025].

Kramer, A., Zastrow, K.-D. (2008): Antiseptik in der Wundbehandlung – ein Überblick, [online] https://www.krankenhaushygiene.de/informationen/hygiene-tipp/hygienetipp-archiv/174 [24.11.2025].

Redaktion Gelbe Liste (2016): Povidon-Iod, [online] https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Povidon-iod_27116 [24.11.2025].

Rüttermann, M., et al. (2013): Lokaltherapie chronischer Wunden: Bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Diabetes mellitus und chronischer venöser Insuffizienz, in: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 110, Nr. 3, S. 25–31, [online] https://www.aerzteblatt.de/archiv/134017/Lokaltherapie-chronischer-Wunden [24.11.2025].


Fachliche Information

Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.

Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte medizinisches Fachpersonal.

Notruf: In medizinischen Notfällen wählen Sie 112 (Rettungsdienst) oder 116 117 (Ärztlicher Bereitschaftsdienst).

Veröffentlicht: 2025-01-26