Livedo reticularis (netzartige Hautmarmorierung) bezeichnet eine bläulich-violette Verfärbung der Haut mit einem charakteristischen netzartigen oder spitzenähnlichen Muster. Das Erscheinungsbild entsteht durch eine temperaturabhängige Störung der Hautdurchblutung (vgl. de Menezes/Ngan 2023).
Die harmlosen Formen treten häufig auf. Bei etwa der Hälfte aller gesunden Säuglinge zeigt sich diese Marmorierung vorübergehend (vgl. de Menezes/Ngan 2023). Auch bei Erwachsenen bleibt das Phänomen oft völlig unbedenklich. Allerdings gibt es auch sekundäre Formen, die auf ernsthafte Grunderkrankungen hinweisen.
Die Ursachen unterscheiden sich je nach Form der Livedo reticularis.
Primäre Form: Bei der harmlosen, primären Form führt Kälteexposition zu einem Vasospasmus (krampfartiges Zusammenziehen der Blutgefäße). Dadurch verlangsamt sich der Blutfluss in den kleinen Hautgefäßen. Der resultierende Sauerstoffmangel im Gewebe verursacht die bläuliche Verfärbung. Bei Erwärmung verschwindet das Muster vollständig.
Sekundäre Form: Hier liegen organische Ursachen zugrunde:
Bei Patienten mit Antiphospholipid-Syndrom tritt die pathologische Form besonders häufig auf. Bei etwa 40% der Betroffenen mit entsprechenden Antikörpern war die Livedo das erste Anzeichen der Erkrankung (vgl. Sajjan et al. 2015: 317).
Das Leitsymptom ist die typische Hautzeichnung. Sie zeigt sich bevorzugt an Beinen, Armen und am Rumpf.
Charakteristische Merkmale:
Bei der primären Form verschwindet das Muster bei Wärme. Die sekundäre Form bleibt dagegen bestehen, auch wenn der Körper warm ist.
Warnzeichen für eine sekundäre Form: Ulzerationen (Geschwüre), tastbare Knötchen unter der Haut oder ein unregelmäßiges, “gebrochenes” Muster deuten auf eine pathologische Ursache hin. Im Gegensatz zur harmlosen Livedo reticularis zeigt die pathologische Livedo racemosa ein solches unregelmäßiges, “gebrochenes” Muster (vgl. Sajjan et al. 2015: 316).
Für Wundversorger hat die Livedo reticularis eine wichtige Signalfunktion. Das Erscheinungsbild der Haut liefert frühe Hinweise auf Durchblutungsstörungen, die später zu Wundheilungsproblemen führen.
Durchblutung und Wundheilung: Eine gestörte Mikrozirkulation (Durchblutung der kleinsten Gefäße) beeinträchtigt die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Gewebes. Bei Patienten mit persistierender Livedo ist das Risiko für schlecht heilende Wunden erhöht. Wundexperten sollten bei entsprechenden Hautzeichen besonders auf eine ausreichende Durchblutung achten.
Erkennen der sekundären Form: Die Unterscheidung zwischen harmloser und pathologischer Livedo ist entscheidend. Bleibt das Muster auch bei Wärme bestehen oder zeigen sich zusätzlich Ulzerationen, ist eine ärztliche Abklärung notwendig. Hier liegt möglicherweise eine Grunderkrankung vor, die die Wundheilung erheblich beeinträchtigen kann.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Bei Verdacht auf eine sekundäre Form sollten Wundexperten eng mit Dermatologen und Internisten zusammenarbeiten. Die Behandlung der Grunderkrankung hat Vorrang und beeinflusst maßgeblich den Erfolg der Wundversorgung.
Präventive Maßnahmen richten sich vor allem an Betroffene der primären Form.
Praktische Empfehlungen:
Die primäre Form ist gutartig und bessert sich oft mit zunehmendem Alter (vgl. de Menezes/Ngan 2023). Bei der sekundären Form steht die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung im Vordergrund. Eine konsequente Therapie, beispielsweise eine Antikoagulation (Blutverdünnung) bei Thromboseneigung, beugt Komplikationen vor.
de Menezes, Sara / Ngan, Vanessa (2023): Livedo reticularis, [online] https://dermnetnz.org/topics/livedo-reticularis [24.11.2025].
Sajjan, V.V. / Lunge, S. / Swamy, M.B. / Pandit, A.M. (2015): Livedo reticularis: A review of the literature, in: Indian Dermatology Online Journal, Jg. 6, Nr. 5, S. 315-321, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4594389/ [24.11.2025].
Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.
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Veröffentlicht: 2026-12-26