
Mazeration bezeichnet die Aufweichung der Haut durch anhaltenden Kontakt mit Feuchtigkeit (vgl. Lienhard 2016). Medizinisch gehört sie zur feuchtigkeitsassoziierten Hautschädigung, im Englischen als Moisture-Associated Skin Damage (MASD) bezeichnet. Dabei wird die Haut durch wiederholte Exposition gegenüber Körperflüssigkeiten wie Wundexsudat, Urin, Stuhl oder Schweiß geschädigt und kann sich entzünden (vgl. McNichol et al. 2022: 235).
Die Folgen reichen von leichten Hautreizungen bis zu schweren Entzündungen mit Hautablösung. Mazerierte Haut verliert ihre Schutzfunktion. Sie wird anfällig für Infektionen und heilt schlecht. Besonders gefährdet sind Menschen mit chronischen Wunden, künstlichen Darmausgängen (Stomata) oder Inkontinenz.
Die Haut wird durch längere Exposition gegenüber Feuchtigkeit geschädigt. Dabei wirken mehrere Mechanismen zusammen.
Gesunde Haut liegt bei einem pH um 5,5. Verdauungsflüssigkeiten dagegen schwanken zwischen stark sauren Werten von 1,5 bis hin zu leicht basischen Bereichen von 7,4. Alkalischer Urin liegt über pH 7,0. Diese pH-Unterschiede reizen die Haut zusätzlich.
Bei chronischen Wunden weist die Flüssigkeit eine aggressive Zusammensetzung auf: Sie trägt Entzündungsbotenstoffe, abbauende Enzyme, Keime und Zellreste mit sich, die das umliegende Gewebe schädigen. Bei Menschen mit künstlichem Darmausgang können unzureichend angepasste Versorgungssysteme oder Bewegungen der Tube zu Leckagen und damit zu Feuchtigkeitsschäden führen.
Mazerierte Haut zeigt charakteristische Veränderungen:
Die geschädigte Haut ist extrem verletzlich und anfällig für Infektionen. Bakterien und Pilze finden auf der aufgeweichten Haut einen idealen Nährboden.
Mazeration ist eine der häufigsten Komplikationen in der Wundversorgung und stellt Pflegekräfte vor erhebliche Herausforderungen. Bei Menschen mit einem künstlichen Darmausgang (Stoma) entwickeln bis zu 80 Prozent Hautprobleme im Bereich des Stomas. Die häufigste Form davon ist eine Kontaktdermatitis durch Reizung mit Körperflüssigkeiten (vgl. McNichol et al. 2022: 235).
Die Wahl der Wundauflage ist besonders wichtig. Auflagen müssen ausreichend Exsudat aufnehmen, ohne die Wunde auszutrocknen oder den Wundrand durch übermäßige Feuchtigkeit zu schädigen. Dies erfordert eine präzise Beurteilung der Exsudatmenge und regelmäßige Anpassung der Versorgung.
Bei chronischen Wunden wird die Situation besonders schwierig. Das Exsudat enthält aggressive Enzyme und entzündungsfördernde Stoffe, die den Wundrand zusätzlich angreifen. Wundexpertinnen müssen daher nicht nur die Wunde selbst, sondern auch die Wundumgebung aktiv schützen. Hautschutzpräparate und absorbierende Materialien werden gezielt eingesetzt, um Mazeration zu verhindern.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegekräften und Wundexperten ist auch hier wieder wichtig. Während Ärzte die Grunderkrankung behandeln, sorgen Pflegekräfte für die tägliche Wundversorgung und dokumentieren Veränderungen. Wundexpertinnen beraten bei schwierigen Fällen und entwickeln individuelle Versorgungskonzepte.
Bei Stoma-Trägern kommt der korrekten Anpassung des Versorgungssystems besondere Bedeutung zu. Selbst kleine Leckagen können innerhalb weniger Stunden zu schweren Hautschäden führen. Regelmäßige Kontrollen und sofortiger Wechsel bei Undichtigkeiten sind daher Pflicht.
Seit 2021 existieren spezifische ICD-10-Codes für feuchtigkeitsassoziierte Hautschäden:
Quelle: McNichol et al. 2022
Lienhard, Alfred (2016): Pflege und Behandlung von Wundrand und Wundumgebung – Die Umgebung chronischer Wunden nicht vernachlässigen!, in: Schweizer Zeitschrift für Dermatologie & Ästhetische Medizin, [online] https://www.rosenfluh.ch/dermatologie-aesthetische-medizin-2016-04/pflege-und-behandlung-von-wundrand-und-wundumgebung [01.12.2025].
McNichol, Laurie, Donna Z. Bliss und Mikel Gray (2022): Moisture-Associated Skin Damage: Expanding Practice Based on the Newest ICD-10-CM Codes for Irritant Contact Dermatitis Associated With Digestive Secretions and Fecal or Urinary Effluent From an Abdominal Stoma or Enterocutaneous Fistula, in: Journal of Wound, Ostomy and Continence Nursing, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9093722/ [01.12.2025].
Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.
Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte medizinisches Fachpersonal.
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Veröffentlicht: 2026-02-12