Wunde

Jede Verletzung der Haut ist eine Wunde. In der Medizin spricht man von einer Wunde, wenn Gewebe an äußeren oder inneren Körperoberflächen so geschädigt wird, dass die Schutzbarriere zur Umgebung verloren geht (vgl. ICW 2025). Das klingt technisch, meint aber etwas durchaus Bekanntes: Sobald Haut oder Schleimhaut verletzt wird, liegt eine Wunde vor. Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers und ihre Unversehrtheit schützt vor Keimen und bewahrt den Organismus vor Austrocknung.

Wundarten

Die grundlegende Unterscheidung betrifft den Zeitverlauf. Akute Wunden sind per Definition jede Verletzung, die nicht chronisch ist (vgl. ICW 2025), also Verletzungen, die innerhalb der normalen Heilungszeit abklingen. Schnittwunden und Operationswunden fallen in diese Kategorie.

Heilt eine Wunde nach acht Wochen trotz Behandlung nicht ab, gilt sie als chronisch (vgl. ICW 2025). Zwei Monate offene Wunde bedeuten: Hier braucht es besondere medizinische Begleitung. Bestimmte Wundarten stuft die Fachgesellschaft sogar von Beginn an als chronisch ein, weil erst die Behandlung der Grunderkrankung eine Heilung ermöglicht. Dazu zählen das diabetische Fußsyndrom, Wunden bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK, eine Durchblutungsstörung der Beine), Ulcus cruris venosum (Unterschenkelgeschwür durch venöse Stauung) und Dekubitus (Druckgeschwür) (vgl. ICW 2025).

Auch nach der Tiefe lassen sich Wunden einordnen: Eine Erosion (Schürfwunde) betrifft nur die Epidermis (oberste Hautschicht), während ein Ulcus (Geschwür) mindestens bis zur Dermis (Lederhaut) reicht (vgl. ICW 2025). Diese Unterscheidung hat praktische Folgen, denn tiefe Wunden heilen langsamer und benötigen andere Versorgung als oberflächliche Verletzungen.

Wundheilung  

Drei Phasen bestimmen den Heilungsverlauf. Sie greifen zeitlich ineinander.

  • Reinigungsphase: Der Körper reagiert in den ersten zwei bis drei Tagen mit Rötung, Schwellung, Schmerzen, Überwärmung und Funktionseinschränkung (vgl. Protz 2022). Diese Entzündungszeichen sind Teil der Abwehrreaktion, die Keime bekämpft und abgestorbenes Gewebe beseitigt.
  • Granulationsphase: Ab dem zweiten Tag entsteht neues Gewebe, das sich durch rötliche Körnung und reichliche Durchblutung auszeichnet (vgl. Protz 2022). Dieses Granulationsgewebe baut die Wunde von innen wieder auf.
  • Epithelisierungsphase: Ab dem vierten Tag wandert neue Haut vom Wundrand her über die offene Fläche. Bis zu 21 Tage dauert dieser Verschluss (vgl. Protz 2022).

Grunderkrankungen bremsen sämtliche drei Phasen aus (vgl. Protz 2022). Der Körper versucht zu heilen, scheitert aber an den ungünstigen Bedingungen.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Heilungswege: Bei primärer Wundheilung, etwa nach sauberen Schnitten oder Operationen, verschließt sich die Wunde rasch mit kaum sichtbarer Narbe. Sekundäre Wundheilung dagegen verlangt, dass sich das Gewebe von innen heraus aufbaut, was bei Dekubitus, diabetischen Fußulzera oder Verbrennungen Wochen bis Jahre beanspruchen kann (vgl. Protz 2022).

Wunde und Wundversorgung

Art und Phase bestimmen die Versorgung. Zu den Grundprinzipien gehören Wundreinigung, regelmäßige Verbandswechsel und Debridement, also die gezielte Entfernung von abgestorbenem oder infiziertem Gewebe (vgl. IQWiG 2025). Gerade bei chronischen Wunden gibt dieses Vorgehen häufig den Ausschlag, ob Heilung überhaupt einsetzen kann.

Jede Heilungsphase verlangt ein anderes Vorgehen: Während der Reinigungsphase steht die Stabilisierung im Vordergrund, in der Granulationsphase braucht das empfindliche neue Gewebe Ruhe und ein feuchtes Milieu, und in der Epithelisierungsphase verdient die zarte Hautschicht Schutz vor mechanischer Belastung (vgl. Protz 2022). Ein falscher Zeitpunkt oder ungeeignetes Material beim Verbandswechsel verzögern die Heilung erheblich.

Chronische Wunden bringen eine zusätzliche Schwierigkeit: Ohne Beseitigung der auslösenden Ursache, etwa mangelnder Durchblutung oder unkontrolliertem Blutzucker, bleibt auch die sorgfältigste lokale Wundversorgung wirkungslos. Ursachentherapie, Druckentlastung und individuelle Versorgung gehören untrennbar zusammen (vgl. Protz 2022).

ICD-10 Klassifikation

Die ICD-10-GM kodiert Wunden vorrangig nach Körperlokalisation (S01.– bis S91.–). Für nicht näher lokalisierbare Wunden gelten beispielsweise:

  • T14.1 – Offene Wunde an einer nicht näher bezeichneten Körperregion
  • L89.– – Dekubitus (Druckgeschwür)
  • L97.– – Ulcus cruris (Unterschenkelgeschwür)

Quelle: https://www.icd-code.de

Quellen

Initiative Chronische Wunden e.V. (ICW) (2025): Standards/Definitionen, [online] https://www.icwunden.de/wundwissen/standards-definitionen/ [09.03.2026].

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (2025): Chronische Wunden, [online] https://www.gesundheitsinformation.de/chronische-wunden.html [09.03.2026].

Protz, Kerstin (2022): Wundheilungsphasen – Kennzeichen und Schwerpunkte in der Versorgung, in: Convatec Blog, [online] https://www.convatec.com/de-de/wundversorgung/blog/wundheilungsphasen-kennzeichen-und-schwerpunkte-in-der-versorgung/ [09.03.2026].


Fachliche Information

Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.

Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte medizinisches Fachpersonal.

Notruf: In medizinischen Notfällen wählen Sie 112 (Rettungsdienst) oder 116 117 (Ärztlicher Bereitschaftsdienst).

Veröffentlicht: 2026-04-13