
Jede Wunde heilt nach demselben biologischen Grundmuster. Der Prozess läuft in mehreren aufeinanderfolgenden Phasen ab, die ineinander greifen und sich teilweise überlappen. Sofort nach der Verletzung setzt die Heilung ein: zuerst Blutstillung und Reinigung, danach Aufbau neuen Gewebes, am Ende eine monatelange Reifung (vgl. Singer/Birnbaumer 2025). Verschiedene Bereiche einer Wunde befinden sich dabei oft gleichzeitig in unterschiedlichen Phasen. Gerät dieser Ablauf ins Stocken, droht der Übergang von einer akuten in eine chronische Wunde, also eine Wunde, die trotz fachgerechter Versorgung nicht innerhalb von acht Wochen abheilt (vgl. Bode et al. 2022).
Nicht jede Wunde heilt gleich.
Lokale und systemische (den gesamten Körper betreffende) Einflüsse können die Heilung bremsen.
Lokale Störfaktoren (vgl. Bode et al. 2022):
Systemische Störfaktoren betreffen den Allgemeinzustand (vgl. Bode et al. 2022):
Stockt die Heilung, zeigen sich typische Warnsignale für eine Chronifizierung (vgl. Riedl/Storck 2021):
Wer Wunden versorgt, arbeitet mit einem laufenden Prozess statt mit einem statischen Befund. Phasengerechtes Vorgehen bestimmt jede Entscheidung über Verbandwahl und Behandlung.
Während der Exsudationsphase gilt es, den Abfluss von Wundflüssigkeit zu sichern und den Wundgrund feucht zu halten. In der Granulationsphase steht der Schutz des frisch gebildeten Gewebes an erster Stelle, denn mechanische Störungen verzögern den Aufbau. Bei der Epithelisierungsphase muss die zarte neue Hautschicht bewahrt werden.
Débridement (Entfernen von abgestorbenem Gewebe und Belägen) ist Voraussetzung dafür, dass eine stockende Wunde wieder in die Granulationsphase eintreten kann. Die Methoden reichen von autolytisch (feuchtes Milieu aktiviert körpereigene Enzyme) über chirurgisch bis biochirurgisch (vgl. Bode et al. 2022). Wundsituation und Allgemeinzustand des Patienten bestimmen, welches Verfahren zum Einsatz kommt.
Phasenwissen erleichtert die Wundversorgung erheblich. Wer erkennt, in welchem Abschnitt sich eine Wunde befindet, reagiert frühzeitig auf Chronifizierungszeichen und verhindert den Übergang zur chronischen Wunde.
Wundheilungsphasen sind ein physiologischer Vorgang ohne eigenen Diagnoseschlüssel. Störungen der Wundheilung werden beispielsweise unter folgenden Codes erfasst:
Quelle: icd-code.de (2026)
Bode, Thilo; Horn, Thomas; Schüning, Andrea (2022): Wundmanagement – Wundversorgung in der täglichen Praxis, Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart/New York, [online] https://www.thieme-connect.de/products/ebooks/html/10.1055/b-0041-183860 [09.03.2026].
Riedl, Stefan; Storck, Martin (2021): Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden und Wundheilungsstörungen – eine Aufgabe für die Chirurgie, in: Passion Chirurgie, Jg. 11, Ausg. 01/02, 25.01.2021, [online] https://www.bdc.de/versorgung-von-patienten-mit-chronischen-wunden-und-wundheilungsstoerungen-eine-aufgabe-fuer-die-chirurgie/ [09.03.2026].
Singer, Adam J.; Birnbaumer, Diane M. (2025): Hautlazerationen, in: MSD Manual Profi-Ausgabe, überarbeitet Mai 2025, [online] https://www.msdmanuals.com/de/profi/verletzungen-vergiftungen/risse-und-sch%C3%BCrfwunden/wunden [09.03.2026].
icd-code.de (2026): ICD-10-GM Codes T89 und T81, [online] https://www.icd-code.de/icd/code/T89.-.html und https://www.icd-code.de/icd/code/T81.-.html [09.03.2026].
Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.
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Veröffentlicht: 2026-04-13