
Nicht nur die Wunde selbst zählt bei der Beurteilung. Was sich am Rand und in der umgebenden Haut abspielt, verrät oft mehr über den Heilungsverlauf als der Wundgrund. Der Wundrand markiert die Grenze zwischen der offenen Wunde und der noch intakten Haut (vgl. ICW o.J.). Die Wundumgebung bezeichnet den Bereich unmittelbar um diesen Rand herum (vgl. ICW o.J.). Beide hängen eng zusammen. Verändert sich einer der Bereiche, wirkt sich das auf den anderen aus.
Der Wundrand ist die direkte Trennlinie zwischen geschädigtem und gesundem Gewebe. Von hier startet die Epithelisierung (Neubildung von Hautzellen), die eine Wunde Schritt für Schritt von außen nach innen verschließt (vgl. Protz 2017). Ohne funktionsfähigen Wundrand stockt die Heilung.
Rund um diesen Rand erstreckt sich die Wundumgebung. Die Haut dort ist besonders empfindlich und reagiert leicht auf äußere Einflüsse (vgl. Lienhard 2016). Ihr Zustand erlaubt Rückschlüsse auf den Heilungsverlauf insgesamt (vgl. Protz 2017).
Form und Beschaffenheit des Wundrandes zeigen, ob eine Wunde aktiv heilt oder ob der Prozess stagniert. Typische Kriterien sind (vgl. Lienhard 2016; Protz 2017):
Die Haut rund um eine Wunde ist anfällig. Wundflüssigkeit, Verbandmaterialien und äußere Reize setzen ihr zu. Häufige Störungen (vgl. Lienhard 2016; Kolbig 2023):
Jede Wunddokumentation erfasst beide Bereiche. Ihre Veränderungen steuern Therapieentscheidungen direkt.
Wer die Haut um die Wunde herum gezielt pflegt, unterstützt damit den Heilungsprozess und verbessert die Lebensqualität der Betroffenen (vgl. Kolbig 2023). Trockene Haut braucht lipophile (fettreiche) Emulsionen, bei Bedarf mit Harnstoff. Feuchte, mazerierte Haut wird mit hydrophilen (wasseranziehenden) Mitteln versorgt. Schutz gegen Wundflüssigkeit bieten filmbildende Präparate wie Silikone oder Zinkpräparate (vgl. Kolbig 2023).
Die Reinigung der Wundumgebung erfolgt nur mit Wasser, ohne Seife, denn Seifen greifen den natürlichen Schutzfilm der Haut an (vgl. Kolbig 2023).
Veränderte Wundränder sind Warnsignale. Unterminierte oder eingerollte Ränder können eine mechanische Behandlung erfordern. Mazerierte oder entzündete Wundumgebung zeigt an, dass die bisherige Versorgung angepasst werden muss.
Wundrand und Wundumgebung sind keine eigenständigen Diagnosen, sondern Befundmerkmale. Kodiert wird beispielsweise die zugrundeliegende oder begleitende Erkrankung:
Quelle: icd-code.de (o.J.)
ICW – Initiative Chronische Wunden e.V. (o.J.): Standards/Definitionen. Wundrand und Wundumgebung, [online] https://www.icwunden.de/wundwissen/standards-definitionen/ [10.03.2026].
icd-code.de (o.J.): ICD-10-GM Codes L98, L23 und L24, [online] https://www.icd-code.de/icd/code/L98.-.html, https://www.icd-code.de/icd/code/L23.-.html und https://www.icd-code.de/icd/code/L24.-.html [10.03.2026].
Kolbig, Norbert (2023): Problemzone Wundumgebung, in: PflegenIntensiv, 2/2023, [online] https://www.bibliomed-pflege.de/pi/artikel/47931-problemzone-wundumgebung [10.03.2026].
Lienhard, Alfred (2016): Pflege und Behandlung von Wundrand und Wundumgebung, in: Dermatologie & Ästhetische Medizin, Nr. 04/2016, [online] https://www.rosenfluh.ch/dermatologie-aesthetische-medizin-2016-04/pflege-und-behandlung-von-wundrand-und-wundumgebung [10.03.2026].
Protz, Kerstin (2017): Was gehört in die Wunddokumentation?, in: Die Schwester | Der Pfleger, 9/2017, [online] https://www.bibliomed-pflege.de/sp/artikel/33059-was-gehoert-in-die-wunddokumentation [10.03.2026].
Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.
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Veröffentlicht: 2026-04-10
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