Lymphödem

Ein Lymphödem entsteht, wenn das Lymphsystem die Gewebeflüssigkeit nicht mehr ausreichend abtransportieren kann. Es handelt sich um eine chronische Schwellung, meist an Armen oder Beinen, die durch einen Stau der Lymphflüssigkeit verursacht wird (vgl. Klein 2024). In Deutschland leben schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen mit dieser Erkrankung (vgl. Lulay 2017).

Das Lymphsystem funktioniert wie ein zweites Gefäßsystem neben den Blutbahnen. Es transportiert überschüssige Flüssigkeit, Eiweiße und Abfallstoffe aus dem Gewebe ab. Ist dieser Transport gestört, sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe an.

Ursachen

Mediziner unterscheiden zwei Formen: das primäre und das sekundäre Lymphödem.

Primäres Lymphödem: Diese Form ist angeboren oder erblich bedingt. Die Lymphgefäße sind von Geburt an fehlgebildet oder unterentwickelt. Es kann bereits im Kindesalter auftreten, manchmal zeigt es sich erst später im Leben.

Sekundäres Lymphödem: Diese erworbene Form ist deutlich häufiger. Die häufigsten Auslöser sind:

  • Operationen mit Entfernung von Lymphknoten (besonders bei Krebsbehandlungen)
  • Bestrahlungen im Rahmen einer Tumortherapie
  • Tumore, die Lymphbahnen blockieren
  • Schwere Infektionen der Lymphgefäße

Symptome

Die Erkrankung verläuft in vier Stadien mit zunehmender Schwere.


  • Im Latenzstadium (Stadium 0) ist das Lymphsystem bereits geschädigt, aber noch keine Schwellung sichtbar. Der Körper gleicht die Störung noch aus.
  • Im Stadium I zeigt sich eine weiche, eindrückbare Schwellung. Hochlagern des betroffenen Arms oder Beins hilft noch. Betroffene bemerken ein Schwere- oder Spannungsgefühl. Die Gliedmaße ermüdet schneller als gewohnt.
  • Stadium II bringt eine Verhärtung des Gewebes. Die Schwellung ist nicht mehr weich, Hochlagern hilft nicht mehr. Die Haut verändert sich, Bewegungseinschränkungen treten auf.
  • Im Stadium III entwickelt sich eine  Elephantiasis (extreme Schwellung mit starker Gewebevermehrung). Die Gliedmaße ist massiv vergrößert, die Haut stark verändert.

Ein wichtiges Erkennungszeichen ist das Stemmer-Zeichen: Am Fuß lässt sich die Hautfalte an der zweiten Zehe nicht mehr abheben. Dieser einfache Test weist auf ein Lymphödem hin.

Bedeutung in der Wundversorgung

Für Wundversorger stellt das Lymphödem eine besondere Herausforderung dar. Die gestaute Lymphflüssigkeit im Gewebe verschlechtert die Durchblutung und damit die Wundheilung erheblich. Kleine Verletzungen entwickeln sich zu chronischen Wunden.

Die veränderte Haut bei fortgeschrittenem Lymphödem ist besonders verletzungsanfällig. Gleichzeitig heilen entstandene Wunden schlechter ab. Das eiweißreiche Ödem bietet einen idealen Nährboden für Bakterien, was das Infektionsrisiko steigert.

Präventiv ist die konsequente Hautpflege entscheidend. Trockene, rissige Haut muss vermieden werden, da selbst kleinste Eintrittspforten zu Infektionen führen. Eine Wundrose (Erysipel) verschlimmert das Lymphödem zusätzlich.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist hier besonders wichtig. Wundexperten, Lymphtherapeuten und behandelnde Ärzte müssen eng zusammenarbeiten. Die Kompressionstherapie muss mit der Wundversorgung abgestimmt werden. Kompressionsverbände dürfen Wunden nicht einschnüren, müssen aber dennoch wirksam entstauend sein.

Behandlung und Prävention

Eine vollständige Heilung des Lymphödems ist nicht möglich. Das Therapieziel ist, die Schwellung so weit zurückzudrängen, dass sie in das Latenzstadium (Stadium 0) zurückkehrt und keine Beschwerden verursacht (vgl. Földi et al. 1998).

Die Standardtherapie heißt “Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE)”. Sie kombiniert vier Bausteine:

  • Manuelle Lymphdrainage (spezielle sanfte Massagetechnik)
  • Kompressionstherapie mit Bandagen oder Strümpfen
  • Bewegungsübungen unter Kompression
  • Sorgfältige Hautpflege

Früherkennung und konsequente Therapie sind entscheidend, um ein Fortschreiten zu verhindern.

ICD-10 Klassifikation

  • I89.0- Lymphödem, anderenorts nicht klassifiziert
  • I97.2- Lymphödem nach Mastektomie (Brustentfernung)

(vgl. DIMDI/BfArM 2025)

Quellen

Földi, E., Baumeister, R.G.H., Bräutigam, P., Tiedjen, K.U. (1998): Zur Diagnostik und Therapie des Lymphödems, in: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 95, Nr. 13, S. 740-747, [online] https://www.aerzteblatt.de/archiv/zur-diagnostik-und-therapie-des-lymphoedems-053c6596-fd2f-47af-beb3-1a7154e16b63 [24.11.2025].

Klein, S. (2024): Lymphödem – Symptome, Diagnostik, Therapie, [online] https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/lymphoedem [24.11.2025].

Lulay, G.R. (2017): Sekundäre Lymphödeme: Diagnose und Therapie weiterhin unbefriedigend, in: Deutsches Ärzteblatt (Perspektiven), Jg. 114, Nr. 5, [online] https://www.aerzteblatt.de/archiv/sekundaere-lymphoedeme-diagnose-und-therapie-weiterhin-unbefriedigend-4fa2a3dd-b5c9-44c3-af8c-8591904b2bab [24.11.2025].

DIMDI/BfArM (2025): ICD-10-GM-2025: I89.0- Lymphödem, [online] https://www.icd-code.de/icd/code/I89.0-.html [24.11.2025].


Fachliche Information

Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.

Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte medizinisches Fachpersonal.

Notruf: In medizinischen Notfällen wählen Sie 112 (Rettungsdienst) oder 116 117 (Ärztlicher Bereitschaftsdienst).

Veröffentlicht: 2026-01-26