
Ein Phlebödem (venöses Ödem) ist eine Schwellung der Beine, die durch eine Erkrankung der Venen entsteht. Wenn Venenklappen nicht mehr richtig schließen, staut sich Blut in den Beinen. Der Druck in den Gefäßen steigt, und Flüssigkeit tritt ins umliegende Gewebe aus. Diese Schwellung gilt als frühes Zeichen einer chronisch-venösen Insuffizienz (CVI), also einer dauerhaften Venenschwäche (vgl. Stücker, Rabe 2022: 710).
Hinter einem Phlebödem steckt fast immer eine Schädigung der Venenklappen. Die häufigsten Auslöser:
Geschädigte Klappen lassen Blut in die Beine zurückfließen. Der steigende Venendruck presst Flüssigkeit durch die Gefäßwände ins Gewebe (vgl. DGPL o. J.).
Im Frühstadium schwellen Knöchel und Unterschenkel vor allem abends an. Typisch: Bei Fingerdruck bleibt eine sichtbare Delle zurück. Über Nacht bildet sich die Schwellung meist vollständig zurück (vgl. DGPL o. J.).
Im fortgeschrittenen Stadium bleibt das Ödem dauerhaft bestehen. Die Haut verfärbt sich bräunlich, verhärtet sich und wird anfällig für Ekzeme (Hautentzündungen). Ohne Behandlung droht als schwerste Komplikation ein Ulcus cruris venosum (offenes Bein). Mindestens eine halbe Million Erwachsene in Deutschland sind davon betroffen oder waren es bereits (vgl. DGPL o. J.).
Für Wundexperten hat das Phlebödem eine doppelte Bedeutung. Erstens ist es der direkte Vorläufer chronischer Wunden am Unterschenkel. Zweitens heilt kein Ulcus cruris, solange das zugrunde liegende Ödem nicht behandelt wird.
Die wichtigste Maßnahme ist die Kompressionstherapie (Behandlung mit Druck durch Verbände oder Strümpfe). Sie presst die erweiterten Venen zusammen und verbessert den Blutfluss zurück zum Herzen (vgl. DGPL o. J.; Protz et al. 2023: 271). Die Behandlung folgt einem gestuften Konzept: Zunächst wird die Schwellung aktiv reduziert (Entstauungsphase), dann das Ergebnis dauerhaft gesichert (Erhaltungsphase). Bei offenem Bein kommt eine Präventionsphase hinzu, die Rückfälle verhindern soll (vgl. Protz et al. 2023: 272).
Studien belegen, dass Kompressionsstrümpfe venöse Schwellungen deutlich verringern und die Lebensqualität verbessern (vgl. Stücker, Rabe 2022: 713). Entscheidend bleibt die Compliance (Therapietreue): Wundversorger müssen Patienten vermitteln, warum konsequente Kompression auch dann nötig ist, wenn die Schwellung gerade nicht schmerzt. Ergänzend fördern regelmäßige Bewegung und sorgfältige Hautpflege die Heilung und beugen neuen Wunden vor.
Bei Problemen der Venen ist es ratsam, einen Angiologen hinzuzuziehen, um zu prüfen, ob eine operative Maßnahme notwendig ist.
Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL) (o. J.): Ulcus Cruris – Chronisch venöse Insuffizienz, [online] https://www.phlebology.de/patienten/venenkrankheiten/ulcus-cruris/ [25.02.2026].
Protz, K., Eder, S., Läuchli, S., Partsch, H., Stücker, M., Traber, J., Dissemond, J. (2023): Einteilung und Nomenklatur der aktuellen Materialien zur Kompressionstherapie, in: Dermatologie (Heidelberg), Jg. 74, Nr. 4, S. 270-281, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10050045/ [25.02.2026].
Stücker, Markus, Rabe, Eberhard (2022): Medizinische Kompressionsstrümpfe bei chronischen venösen Erkrankungen und Lymphödem, in: Dermatologie (Heidelberg), Jg. 73, Nr. 9, S. 708-717, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9427895/ [25.02.2026].
Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.
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Veröffentlicht: 2026-04-02