
Wörtlich übersetzt heißt Sinus pilonidalis „Haarnest” (lateinisch: pilus = Haar, nidus = Nest). Dahinter verbirgt sich eine akut oder chronisch verlaufende Entzündung im subkutanen (unter der Haut liegenden) Fettgewebe der Gesäßfalte (vgl. Iesalnieks, Ommer 2019: S. 12). Im Volksmund heißt sie „Steißbeinfistel”. Männer erkranken mehr als doppelt so häufig wie Frauen, was auf körperliche Merkmale wie starke Behaarung als Risikofaktor zurückgeht (vgl. Nixon, Garza 2023).
Ein Sinus pilonidalis ist nicht angeboren, sondern entwickelt sich im Laufe des Lebens. Nach gängiger Erklärung erzeugen Reibebewegungen der Gesäßhälften einen Unterdruck, der abgebrochene Haare aktiv in die Haut hineinzieht. Im Gewebe angekommen, behandelt das Immunsystem diese Haare wie Fremdkörper und startet eine Abwehrreaktion. Genau dieser Abwehrprozess verursacht die Entzündung.
Als Risikofaktoren gelten: – Männliches Geschlecht – Starke Körperbehaarung – Übergewicht – Überwiegend sitzende Tätigkeit – Familiäre Vorbelastung
Die Erkrankung verläuft in drei Stadien. Zunächst finden sich kleine Öffnungen in der Haut (sogenannte Pits, also Grübchen in der Mittellinie), die keine Beschwerden verursachen. Wird die Erkrankung aktiv, bildet sich ein Pilonidalabszess (Eiteransammlung) mit Schwellung, Rötung und starken Schmerzen. Das dritte Stadium verläuft chronisch: Wiederkehrende serös-eitrige Absonderungen (Ausfluss aus der Wunde) beeinträchtigen den Alltag erheblich (vgl. Iesalnieks, Ommer 2019).
Nach einer operativen Exzision (chirurgischen Entfernung des erkrankten Gewebes) ist die Nachsorge besonders anspruchsvoll. Bei der offenen Wundbehandlung, also wenn die Wunde nach dem Eingriff nicht verschlossen wird und von innen nach außen heilt (Sekundärheilung), dauert die Heilung im Schnitt anderthalb bis drei Monate (vgl. Iesalnieks, Ommer 2019: S. 17). Intensive, regelmäßige Wundpflege ist in dieser Phase unverzichtbar.
Tägliche Verbandwechsel und sorgfältige Wundreinigung gehören zum Standard. Wundexperten kontrollieren dabei gezielt die Granulationsgewebsbildung (Aufbau von neuem Gewebe von der Wundtiefe her) und achten auf frühe Anzeichen einer Wundinfektion. Zur Rezidivprophylaxe (Vorbeugung eines Rückfalls) zählt vor allem die konsequente Haarentfernung im Wundbereich.
Aktuelle Leitlinien empfehlen sogenannte Off-Midline-Verfahren, bei denen die Naht abseits der Mittellinie gesetzt wird. Sie verkürzen die Wundheilungsdauer und senken die Rückfallraten im Vergleich zur Mittelliniennaht (vgl. Iesalnieks, Ommer 2019). Die gewählte Operationsmethode beeinflusst also direkt, wie lange die postoperative Wundversorgung dauert.
Quelle: ICD-10-GM Version 2025 (BfArM), https://www.icd-code.de/icd/code/L05.0.html
Iesalnieks, Igors, Ommer, Andreas (2019): Behandlung des Sinus pilonidalis, in: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 116, Nr. 1-2, S. 12–21, [online] https://www.aerzteblatt.de/archiv/204206/Behandlung-des-Sinus-pilonidalis [03.03.2026].
Nixon, Alexander T., Garza, Robert F. (2023): Pilonidal Cyst and Sinus, in: StatPearls [Internet], Treasure Island (FL): StatPearls Publishing, [online] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK557770/ [03.03.2026].
Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.
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Veröffentlicht: 2026-04-14