Keloid 

Ein Keloid ist eine gutartige, aber unkontrolliert wachsende Narbe. Im Gegensatz zu normalen Narben bleibt ein Keloid nicht auf den ursprünglichen Wundbereich beschränkt. Es wächst zungenförmig über die Wundränder hinaus in die umliegende gesunde Haut (vgl. Worret/Vogt 2004). Das Wachstum kann über Jahre andauern und bildet sich niemals von selbst zurück.

Keloide entstehen durch eine Fehlregulation der Wundheilung. Der Körper produziert dabei übermäßig viel Kollagen (Bindegewebsfasern), das sich im Narbenbereich ansammelt und darüber hinaus wuchert. Diese Überproduktion stoppt nicht wie bei normaler Wundheilung, sondern setzt sich fort.

Ursachen

Die genauen Mechanismen sind nicht vollständig geklärt. Bekannt ist, dass eine genetische Veranlagung eine zentrale Rolle spielt. In manchen Familien treten Keloide gehäuft auf.

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko deutlich:

  • Hauttyp: Menschen mit dunkler Hautfarbe haben ein etwa 20-fach erhöhtes Risiko (vgl. DGDC o.J.)
  • Alter: Jüngere Menschen zwischen 10 und 30 Jahren sind häufiger betroffen
  • Körperstelle: Besonders gefährdet sind Ohrläppchen, Brustbein, Schultern und Nacken
  • Verletzungsart: Piercings, Verbrennungen, Operationen und auch banale Verletzungen können Auslöser sein

Selbst minimale Hautverletzungen wie ein Ohrläppchenpiercing können bei entsprechender Veranlagung ein Keloid auslösen.

Symptome

Keloide sind meist gut erkennbar. Sie erscheinen als erhabene, derbe Wucherungen im Bereich einer verheilten Wunde. Die Oberfläche ist oft glänzend. Die Färbung reicht von rötlich bis bräunlich-rot, bei dunkleren Hauttypen auch dunkler.

Neben dem auffälligen Erscheinungsbild verursachen Keloide häufig Beschwerden:

  • Juckreiz, teilweise sehr stark
  • Brennen oder Stechen
  • Spannungsgefühl
  • Druckempfindlichkeit
  • Bewegungseinschränkungen bei ungünstiger Lage

Die Beschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Besonders Keloide an sichtbaren Stellen wie Gesicht oder Dekolleté belasten Betroffene auch psychisch.

Unterschied zu hypertrophen Narben

Keloide werden oft mit hypertrophen Narben (überschießend verheilten Narben) verwechselt. Der Unterschied ist therapeutisch wichtig:

Hypertrophe Narben: – Bleiben auf den ursprünglichen Wundbereich beschränkt – Entstehen meist innerhalb der ersten sechs Monate nach Verletzung – Bilden sich häufig spontan zurück

Keloide: – Wachsen über die Wundränder hinaus in gesunde Haut – Entwickeln sich oft erst mehr als sechs Monate nach der Verletzung – Bilden sich niemals von selbst zurück (vgl. Wörle 2014)

Diese Unterscheidung bestimmt die Therapiewahl. Hypertrophe Narben sprechen oft gut auf konservative Behandlung an und können von allein besser werden. Bei Keloiden ist das nicht der Fall.

Keloid – Bedeutung in der Wundversorgung

Für Wundversorger sind Keloide aus mehreren Gründen relevant. Bereits bei der Erstversorgung einer Wunde können präventive Maßnahmen sinnvoll sein, wenn der Patient eine bekannte Neigung zu Keloiden hat.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist bei Keloid-Patienten besonders wichtig. Wundexperten, Dermatologen und Chirurgen sollten gemeinsam entscheiden, welche Wundverschlusstechnik und Nachsorge am besten geeignet ist.

Bei der Wundpflege gilt: Spannung auf der Narbe vermeiden. Spezielle Pflaster oder Silikonauflagen können helfen, die Zugkräfte auf das heilende Gewebe zu reduzieren. Regelmäßige Kontrollen ermöglichen ein frühes Erkennen beginnender Keloidbildung.

Patienten mit bekannter Keloidneigung sollten über ihr erhöhtes Risiko aufgeklärt werden. Jede nicht zwingend notwendige Hautverletzung sollte vermieden werden.

Prävention

Eine sichere Vorbeugung existiert nicht. Bei bekannter Neigung lassen sich aber Risiken minimieren:

  • Verzicht auf Piercings, Tätowierungen und kosmetische Eingriffe
  • Sorgfältige Wundversorgung bei unvermeidbaren Verletzungen
  • Frühzeitige Druckbehandlung oder Silikonauflagen nach Operationen
  • Enge Nachsorge bei Risikopatienten

Chirurgen können bei Patienten mit Keloidneigung bereits während der Operation vorbeugende Maßnahmen einplanen.

Behandlung – Warum Operation allein nicht reicht

Die wichtigste Erkenntnis für Betroffene: Eine operative Entfernung allein führt fast immer zum Rückfall. Die Rezidivrate (Rückfallrate) nach alleiniger Exzision (chirurgische Entfernung) liegt bei 50 bis 100 Prozent (vgl. DGDC o.J.).

Deshalb empfehlen aktuelle Leitlinien bei operativer Keloidbehandlung unbedingt zusätzliche Therapien (vgl. Paasch/Nast 2021). Kortikosteroid-Injektionen (Kortison-Spritzen) gelten als Therapie der ersten Wahl. Weitere Optionen sind Kryotherapie (Vereisung), Druckbehandlung und Bestrahlung.

ICD-10 Klassifikation

  • L91.0 – Hypertrophe Narbe, Keloid

Quellen

DGDC (o.J.): Narben und Keloide, [online] https://www.dgdc.de/narben-und-keloide.html [24.11.2025].

Paasch, U., Nast, A. (2021): Narben und Keloide – Eine therapeutische Herausforderung, in: Deutsches Ärzteblatt, [online] https://www.aerzteblatt.de/archiv/narben-und-keloide-eine-therapeutische-herausforderung-70310b3e-d0a4-4795-8f50-354fa598b93a [24.11.2025].

Worret, W.-I., Vogt, H.-J. (2004): Narbentherapie in der Dermatologie, in: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 101, Nr. 42, [online] https://www.aerzteblatt.de/archiv/43883/Narbentherapie-in-der-Dermatologie [24.11.2025].

Wörle, B. (2014): Hypertrophe Narben und Keloide, in: Dermatologie & Ästhetische Medizin, Nr. 2, [online] https://www.rosenfluh.ch/dermatologie-aesthetische-medizin-2014-02/hypertrophe-narben-und-keloide-2 [24.11.2025].


Fachliche Information

Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.

Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte medizinisches Fachpersonal.

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Veröffentlicht: 2026-01-26