Rezidiv (Rückfall)

Ein Rezidiv (Rückfall) beschreibt das Wiederauftreten einer Erkrankung nach zunächst erfolgreicher Behandlung oder spontaner Besserung (vgl. IQWiG o. J.). Der lateinische Begriff trifft, was viele Betroffene als besonders belastend erleben: Die Krankheit schien besiegt, und plötzlich ist sie wieder da. Rezidive betreffen körperliche wie psychische Erkrankungen gleichermaßen. In der Wundversorgung steht der Begriff für eine bereits verheilte Wunde, die sich von Neuem bildet.

Ursachen

Dass sich nach einer abgeheilten Wunde eine neue bildet, ist kein Zufall. Die Ursache liegt tiefer. Bei venösen Beinwunden heilt zwar die Oberfläche ab, doch der gestörte Blutrückfluss in den Venen bleibt unverändert bestehen. Eine Fußwunde bei Diabetes verschließt sich, obwohl der fehlerhafte Druck durch unpassendes Schuhwerk weiterhin auf die Fußsohle einwirkt.

Die Wundheilung repariert dann nur die Oberfläche. Das eigentliche Problem darunter bleibt bestehen.

Chronische Erkrankungen, also dauerhaft bestehende Krankheiten, lassen sich nie vollständig heilen. Beim Diabetischen Fußsyndrom (DFS), einer schwerwiegenden Komplikation der Diabetes-Erkrankung, vermeiden Fachleute nach Wundabheilung bewusst den Begriff Heilung und sprechen stattdessen von Remission (vorübergehender Beschwerdefreiheit) (vgl. Rümenapf et al. 2020: 173). Diese Wortwahl hat einen Grund: Das Rückfallrisiko bleibt dauerhaft bestehen.

Rezidiv in der Wundversorgung

Chronische Wunden und Rückfälle hängen eng zusammen. Bei venösen Beingeschwüren (Ulcus cruris venosum, UCV), also Wunden an den Unterschenkeln durch Venenerkrankungen, tritt bei der Hälfte bis zu mehr als zwei Dritteln der Betroffenen innerhalb von zwölf Monaten nach der Abheilung erneut eine Wunde auf (vgl. Valesky 2025). Der Wundverschluss allein löst das Problem nicht – er markiert erst den Beginn der eigentlichen Arbeit.

Das Diabetische Fußsyndrom zeigt ein vergleichbares Muster. Die Zahlen sind ernüchternd. Etwa ein Drittel der Patienten erlebt innerhalb eines Jahres nach Wundabheilung ein Rezidiv, nach fünf Jahren steigt dieser Anteil auf fast zwei Drittel (vgl. Rümenapf et al. 2020: 173). Ohne gezielte Sekundärprophylaxe (Vorbeugung nach einer ersten Erkrankung) bleibt das Rückfallrisiko hoch. Podologische Betreuung (professionelle Fußpflege) und orthopädietechnische Versorgung (spezielle Schuhe und Einlagen) zählen zu den wichtigsten Gegenmaßnahmen (vgl. Rümenapf et al. 2020: 173).

Nach der Wundheilung verändert sich die Aufgabe der Wundexperten. Sie begleiten Patienten in der Nachsorgephase, erkennen frühe Warnsignale und koordinieren die Zusammenarbeit mit Ärzten, Orthopädietechnikern und Podologen. Nicht der Wundverschluss allein zählt. Das langfristige Ziel ist der dauerhafte Erhalt der Hautintegrität (unversehrte, gesunde Haut).

Prävention

Konsequente Nachsorge verringert die Rückfallrate in vielen Fällen deutlich. Für venöse Beinwunden empfehlen Leitlinien das Tragen medizinischer Kompressionsstrümpfe nach der Abheilung (vgl. Valesky 2025). Die Wirksamkeit ist klar belegt. Kompressionstherapie reduziert die Rezidivrate um mehr als die Hälfte (vgl. Valesky 2025).

Beim Diabetischen Fußsyndrom steht die Schuhversorgung an erster Stelle. Gut angepasstes Schuhwerk mit druckverteilenden Einlagen schützt die Fußsohle vor erneuten Druckschäden (vgl. Rümenapf et al. 2020: 173). Für Dekubituspatienten (Wunden durch anhaltenden Druck auf die Haut) bleibt konsequente Druckentlastung die wirksamste Strategie.

Allen Wundtypen gemeinsam ist eine Voraussetzung: Patienten müssen die Zusammenhänge verstehen und aktiv mitarbeiten (Compliance). Aufklärung gehört zur Wundversorgung wie der Verband selbst.

ICD-10 Klassifikation

„Rezidiv” hat keinen eigenen ICD-10-Code. Die Verschlüsselung richtet sich nach der zugrundeliegenden Erkrankung, beispielsweise:

  • L89.- Dekubitus (Druckgeschwür)
  • I83.0 Varizen (Krampfadern) mit Ulzeration (Ulcus cruris venosum)
  • E11.74 / E11.75 Diabetes mellitus Typ 2 mit Diabetischem Fußsyndrom

Quellen

IQWiG – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (o. J.): Rezidiv, [online] https://www.gesundheitsinformation.de/glossar/rezidiv.html [02.03.2026].

Rümenapf, G., Morbach, S., Rother, U., Uhl, C., Görtz, H., Böckler, D., Behrendt, C. A., Hochlenert, D., Engels, G., Hohneck, A., Sigl, M. (2020): Diabetisches Fußsyndrom – Teil 2, in: Chirurg, Jg. 92, Nr. 2, S. 173–186, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7875854/ [02.03.2026].

Valesky, Eva Maria (2025): Leitlinie Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum: Wichtige praktische Aspekte der Rezidivprophylaxe, in: vasomed, 1/25, 17.01.2025, [online] https://www.der-niedergelassene-arzt.de/medizin-und-forschung/details/leitlinie-diagnostik-und-therapie-des-ulcus-cruris-venosum-wichtige-praktische-aspekte-der-rezidivprophylaxe/1 [02.03.2026].


Fachliche Information

Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.

Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte medizinisches Fachpersonal.

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Veröffentlicht: 2026-04-14