Tumorwunden

Tumorwunden, auch exulzerierende Tumorwunden (von lat. exulcerare: aufbrechen, in eine Wunde verwandeln) oder maligne Wunden genannt, entstehen, wenn Krebszellen die Haut schädigen. Das geschieht auf drei Wegen: Ein Tumor wächst direkt in der Haut, Metastasen (Tochtergeschwülste) befallen die Haut von innen, oder ein tiefer liegender Tumor bricht von unten nach außen durch (vgl. Protz 2016). Etwa jeder zehnte bis zwanzigste Betroffene mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung entwickelt eine solche Wunde. Das ist keine Seltenheit.

Ursachen

Die Haut wird von innen heraus zerstört. Bei primären Hauttumoren (Tumoren, die direkt in der Haut entstehen) bricht die Oberfläche auf. Anders verläuft es bei Tumoren in tieferen Gewebeschichten: Krebsgeschwüre der Brust, der Lunge oder der Speicheldrüsen wachsen nach außen und durchdringen die darüber liegende Haut. Knapp die Hälfte aller Tumorwunden sitzt an der Brust (vgl. Protz 2016), Mammakarzinom-Patientinnen bilden damit die am häufigsten betroffene Gruppe.

Solange Tumorgewebe aktiv bleibt, hält es die Wunde offen. Der Körper schafft es nicht, die normale Wundheilung einzuleiten. Die Wunde chronifiziert.

Symptome

Die Belastung durch Tumorwunden ist erheblich. Körperlich dominieren drei Beschwerden:

  • Schmerz: Tumorzellen schädigen das umliegende Nervengewebe. Jeder Verbandwechsel wird so zur Zerreißprobe.
  • Wundgeruch: In der Wunde zerfallendes Gewebe und anaerobe Bakterien (Keime, die ohne Sauerstoff überleben) produzieren einen fauligen Geruch. Nach dem Schmerz belastet er Betroffene am stärksten (vgl. Gebhardt 2010).
  • Wundflüssigkeit (Exsudat): Die Wunde sondert teils enorme Mengen Flüssigkeit ab. Im Extremfall übersteigt das tägliche Volumen einen Liter, was Haut, Kleidung und Versorgung massiv beansprucht (vgl. Gebhardt 2010).

Neben den körperlichen Symptomen leiden Betroffene psychisch: Ihr Körperbild verändert sich, viele ziehen sich zurück und fühlen sich der Situation ausgeliefert (vgl. Protz 2016). Die sichtbare Wunde wird zum ständigen Zeichen der Erkrankung.

Wundversorgung bei Tumorwunden

Hier verschiebt sich das Ziel der Versorgung: Wundheilung ist meist nicht erreichbar, solange das ursächliche Tumorgewebe aktiv bleibt (vgl. Merz et al. 2011). Im Mittelpunkt steht deshalb palliative Versorgung (lindernde Versorgung ohne Heilungsanspruch). Symptome kontrollieren, Lebensqualität sichern, Würde bewahren (vgl. Protz 2016).

Eine Besonderheit betrifft das Debridement. Das chirurgische Abtragen von abgestorbenem Gewebe, bei anderen Wundarten Routine, ist bei Tumorwunden kontraindiziert (nicht geeignet und gefährlich). Das fragile Tumorgewebe birgt eine zu hohe Blutungsgefahr (vgl. Gebhardt 2010). Wundversorger brauchen hier ein anderes Vorgehen.

Vier Bausteine der Symptomkontrolle haben sich bewährt:

  1. Silber-imprägnierte Verbände hemmen Keime in der Wunde und verringern das Infektionsrisiko (vgl. Merz et al. 2011).
  2. Aktivkohle-Verbände fangen den Wundgeruch ab und entlasten Betroffene spürbar (vgl. Merz et al. 2011).
  3. Topisches Metronidazol (ein direkt auf die Wunde aufgetragenes Antibiotikum) richtet sich gezielt gegen die geruchsbildenden anaeroben Bakterien (vgl. Merz et al. 2011).
  4. Geplante Verbandwechsel: Jeder Wechsel wird zeitlich und schmerztherapeutisch geplant, um unnötiges Leiden zu vermeiden.

Weil Tumorwunden in einer schweren Krankheitsphase auftreten, gehört psychosoziale Begleitung fest zum Versorgungskonzept. Ärzte, Pflegefachkräfte, Wundexperten und Palliativmediziner arbeiten gemeinsam daran, dass Betroffene würdevoll betreut werden (vgl. Merz et al. 2011).

ICD-10 Klassifikation

Tumorwunden werden über die zugrundeliegende Krebserkrankung kodiert, beispielsweise:

  • C44.- Sonstige bösartige Neubildungen der Haut (primäre Hauttumoren mit Hautbeteiligung).
  • C79.2 Sekundäre bösartige Neubildung der Haut (Hautmetastasen als Ursache der Tumorwunde).

Quelle: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / ICD-10-GM.

Quellen

Gebhardt, Ulrike (2010): Wundmanagement: Tumorwunden sind eine häufig verkannte Entität, in: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 107, Nr. 23, S. 1148–1149, [online] https://www.aerzteblatt.de/archiv/76452/Wundmanagement-Tumorwunden-sind-eine-haeufig-verkannte-Entitaet [06.03.2026].

Merz, Thomas et al. (2011): Fungating Wounds – Multidimensional Challenge in Palliative Care, in: Breast Care (Basel), Jg. 6, Nr. 1, S. 21–24, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3083267/ [06.03.2026].

Protz, Kerstin (2016): Physisch und emotional extrem belastend, in: Die Schwester | Der Pfleger, Jg. 55, Nr. 10, [online] https://www.bibliomed-pflege.de/sp/artikel/29995-physisch-und-emotional-extrem-belastend [06.03.2026].


Fachliche Information

Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.

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Veröffentlicht: 2026-04-13