
Übermäßige Hitze zerstört Gewebe. So lassen sich thermische Verletzungen auf den Punkt bringen (vgl. USZ o.J.). Verbrennungen durch offene Flammen, Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten, Verletzungen nach Explosionen: Alle fallen unter diesen Oberbegriff. Zahlen aus dem Jahr 2019 beziffern die jährlichen Fälle in Deutschland auf rund 300.000, was etwa vier Prozent aller Unfallverletzungen entspricht (vgl. Dönitz 2019: 30). Flammen stehen hinter knapp der Hälfte aller Fälle; Verbrühungen folgen mit rund einem Viertel auf Platz zwei (vgl. Dönitz 2019: 30).
Ab 45 Grad Celsius beginnt der Zellschaden (vgl. USZ o.J.). Gefährlich wird es durch den Nachbrenneffekt: Gespeicherte Wärme arbeitet im Gewebe weiter, und der Schweregrad einer Verletzung verschlechtert sich mitunter noch bis zu drei Tage nach dem Unfall erheblich (vgl. USZ o.J.). Was zunächst oberflächlich aussieht, entpuppt sich dann als tiefgreifende Schädigung.
Vier Stufen beschreiben die Tiefe des Schadens:
Ist ab Grad 2 bei Erwachsenen mehr als ein Fünftel der Körperoberfläche betroffen, wird die Lage lebensbedrohlich; bei Kindern reicht bereits ein Zehntel (vgl. USZ o.J.). Thermische Verletzungen kippen also rasch vom lokalen Problem zum medizinischen Notfall.
Schon die Erstversorgung prägt den weiteren Wundverlauf. Kühlung gehört nur bei kleinflächigen Verletzungen zum Vorgehen, und auch nur dann, wenn der Betroffene deutliche Schmerzen im verbrannten Areal angibt. So empfiehlt es die Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (vgl. DGV 2013). Großflächige Brandwunden oder bewusstlose Patienten werden nicht gekühlt, weil die Unterkühlungsgefahr den Nutzen übersteigt. Stattdessen legt man ein steriles, metallbeschichtetes Brandwundenverbandtuch locker an; Spezialverbände und lokale Wundbehandlungen haben in dieser Phase keinen Platz (vgl. DGV 2013).
Die weitere Versorgung folgt dem Schweregrad. Grad-2b- und Grad-3-Verbrennungen gehören in spezialisierte Einrichtungen. Dort kommen silberhaltige Verbände und biosynthetische Wundauflagen (biotechnologisch hergestellte Materialien, die körpereigenes Gewebe nachahmen) zum Einsatz (vgl. Carter/Spain 2024). Stand 2019 wurden jährlich rund 16.000 Brandverletzte stationär versorgt, davon etwa 1.600 in Spezialkliniken (vgl. Dönitz 2019: 30). Das verdeutlicht, wie selten hochspezialisierte Behandlung nötig wird und wie stark die lokale Wundversorgung über den Heilungsverlauf mitentscheidet. Eiswürfel dürfen niemals zur Kühlung dienen: Die extreme Kälte fügt dem bereits geschädigten Gewebe einen zusätzlichen Kälteschaden zu (vgl. DGV 2013).
Quelle: icd-code.de (2026): ICD-10-GM-2026, [online] https://www.icd-code.de/icd/code/T20-T25.html [06.03.2026].
Carter, Damien Wilson; Spain, David A. (2024): Verbrennungen, in: MSD Manual Profi-Ausgabe, [online] https://www.msdmanuals.com/de/profi/verletzungen-vergiftungen/verbrennungen/verbrennungen [06.03.2026].
Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (DGV) (2013): Erste Hilfe bei Brandverletzungen, [online] https://verbrennungsmedizin.de/leitlinien-erste-hilfe-brandverletzungen [06.03.2026].
Dönitz, Stephan (2019): Thermische Verletzungen professionell behandeln, in: PflegenIntensiv, Jg. 2019, Nr. 1, S. 30, [online] https://www.bibliomed-pflege.de/pi/artikel/37292-thermische-verletzungen-professionell-behandeln [06.03.2026].
Universitätsspital Zürich (USZ) (o. J.): Verbrennungen und Verbrühungen, [online] https://www.usz.ch/krankheit/verbrennungen-verbruehungen/ [06.03.2026].
Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.
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Veröffentlicht: 2026-04-14