Revaskularisation 

Revaskularisation bezeichnet Eingriffe, die verengte oder verschlossene Arterien (Schlagadern) an Beinen und Becken wieder öffnen. Ziel ist es, einen schlecht versorgten Körperabschnitt erneut mit ausreichend Blut zu versorgen. Die Grunderkrankung selbst, meist eine Arteriosklerose (Arterienverkalkung), beseitigt der Eingriff nicht. Er ist keine ursächliche, sondern eine symptomatische Behandlung (vgl. Rümenapf et al. 2020). Revaskularisation schafft lediglich die Voraussetzung, unter der Wundbehandlungen überhaupt greifen.

Wann wird revaskularisiert?

Die aktuelle S3-Leitlinie unterscheidet zwei Situationen (vgl. Rammos 2024):

  1. Bei Claudicatio intermittens (Schaufensterkrankheit, Wadenschmerzen beim Gehen) wird zunächst konservativ behandelt: strukturiertes Gehtraining, Raucherentwöhnung, Kontrolle der Risikofaktoren. Erst wenn nach mindestens drei Monaten keine Besserung eintritt, kommt eine Revaskularisation infrage.
  2. Bei kritischer Ischämie (lebensbedrohlicher Minderdurchblutung) mit drohenden Wunden oder Gewebeverlust gelten andere Regeln. Die Zeit drängt. Hier muss ohne Verzögerung revaskularisiert werden, um den Fuß oder das Bein zu erhalten.

Verfahren

Zwei Verfahren stehen im Vordergrund:

  1. Endovaskuläre Eingriffe (von innen, erste Wahl): Ein Katheter wird durch ein kleines Einstichloch bis zur Engstelle vorgeschoben. Ein Ballon weitet das Gefäß (PTA, perkutane transluminale Angioplastie). Bei Bedarf hält ein Stent (Metallgitter) das Gefäß dauerhaft offen.
  2. Bypass-Operationen: Eine Umleitung aus körpereigener Vene oder Kunststoff überbrückt den verschlossenen Abschnitt. Sie kommt zum Einsatz, wenn ein Kathetereingriff technisch nicht gelingt oder nicht ausreicht (vgl. Altmeyer 2026).

Revaskularisation in der Wundversorgung

Fällt die Durchblutung unter bestimmte Grenzwerte, ist Wundheilung nicht mehr möglich (vgl. Rümenapf et al. 2020). Verbände, Wundreinigung und sämtliche anderen Maßnahmen laufen dann ins Leere. Erst die Revaskularisation schafft die Grundlage.

In spezialisierten, interdisziplinären Zentren gelingt es, die Durchblutung bei Patienten mit diabetischem Fußsyndrom und pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) in der großen Mehrheit der Fälle zu verbessern und einen erheblichen Teil drohender Amputationen abzuwenden (vgl. Rümenapf et al. 2020). Die enge Zusammenarbeit von Gefäßchirurgen, Diabetologen und Wundexperten ist dafür Voraussetzung.

Wundexperten sollten bei Patienten mit schlecht heilenden Wunden an den Beinen frühzeitig auf eine gefäßmedizinische Abklärung drängen. Jede Verzögerung erhöht das Amputationsrisiko.

ICD-10

Revaskularisation ist ein Eingriff und erhält keinen eigenen Diagnosecode. Kodiert wird die zugrunde liegende periphere arterielle Verschlusskrankheit:

  • I70.20-I70.25 Periphere arterielle Verschlusskrankheit nach Stadien (Fontaine-Klassifikation).

Quellen

Altmeyer, Peter (2026): Arterial occlusive disease peripheral, in: Altmeyers Enzyklopädie, Fachgebiet Gefäßmedizin, [online] https://www.altmeyers.org/en/vascular-medicine/arterial-occlusive-disease-peripheral-135654 [27.02.2026].

Rammos, Christos (2024): Neue S3-Leitlinie pAVK, [online] herzmedizin.de, 09.12.2024, https://herzmedizin.de/fuer-aerzte-und-fachpersonal/kardiologie-interdisziplinaer/angiologie/neue-s3-leitlinie-pavk-2024.html [27.02.2026].

Rümenapf, G., Morbach, S., Rother, U., Uhl, C., Görtz, H., Böckler, D., Behrendt, C. A., Hochlenert, D., Engels, G., Hohneck, A., Sigl, M. (2020): Diabetic foot syndrome – Part 2: Revascularization, treatment alternatives, care structures, recurrency prophylaxis, in: Chirurg, Jg. 92, H. 2, S. 173-186, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7875854/ [27.02.2026].


Fachliche Information

Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.

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Veröffentlicht: 2026-04-14