Eine Fistel bezeichnet eine unnatürliche, röhrenförmige Verbindung zwischen zwei Körperhohlräumen oder zwischen einem Hohlorgan und der Hautoberfläche.
Mediziner unterscheiden komplette Fisteln mit zwei Öffnungen – eine in der Schleimhaut, eine auf der Haut – und inkomplette Fisteln mit nur einer Öffnung (vgl. Hoc 1997).
Fisteln können angeboren sein, wenn sie durch Fehlbildungen während der embryonalen Entwicklung entstehen. Weitaus häufiger sind sie jedoch erworben, als Folge von Entzündungen, Verletzungen, Abszessen oder Tumoren.
Am häufigsten treten Fisteln im Analbereich auf. In 9 von 10 Fällen entstehen Analfisteln durch einen Abszess – eine Eiteransammlung – im Analbereich (vgl. Hoc 1997). Der Abszess entleert sich nach außen und hinterlässt dabei einen Fistelgang. Diese sogenannten kryptoglandulären Analfisteln entwickeln sich aus entzündeten Drüsen im Analbereich, die beim Menschen nur rudimentär vorhanden sind (vgl. Ommer et al. 2011).
Analfisteln sind keine Seltenheit. Jährlich erkranken rund 2 von 10.000 Menschen an diesem Leiden (vgl. Ommer et al. 2011). Männer sind häufiger betroffen als Frauen, die meisten Patienten sind zwischen 30 und 50 Jahre alt.
Neben Analfisteln existieren zahlreiche andere Fisteltypen mit unterschiedlichen Ursachen:
Was alle Fisteln eint: Sie entstehen durch Gewebeschädigung. Entzündung, mechanische Verletzung, Durchblutungsstörung – das sind die häufigsten Auslöser. Der Körper bildet dann einen Kanal, der normalerweise nicht vorhanden sein sollte.
Die Symptome hängen stark davon ab, welche Organe oder Körperregionen die Fistel verbindet:
Für Wundversorger sind vor allem äußere Fisteln eine Herausforderung. Bei enterokutanen Fisteln und anderen Fisteln mit Hautöffnung steht der Hautschutz im Vordergrund.
Die aus der Fistel austretenden Sekrete können extrem aggressiv sein. Verdauungssäfte aus dem Dünndarm enthalten Enzyme, die gesunde Haut innerhalb von Stunden schädigen. Ohne professionelle Wundversorgung entsteht rasch eine großflächige Mazeration (Aufweichung) oder sogar eine Wunde. Das führt zu starken Schmerzen, das Infektionsrisiko steigt.
Moderne Wundversorgung nutzt verschiedene Hilfsmittel:
Die Versorgung muss individuell angepasst werden, da Form und Menge des Sekrets stark variieren.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist hier wichtig: – Chirurgen entscheiden über die operative Therapie. – Pflegekräfte und Wundexperten übernehmen die tägliche Versorgung und den Hautschutz. – Ernährungsberater spielen eine Rolle, da die Ernährung die Menge und Zusammensetzung des austretenden Sekrets beeinflusst.
Ein grundlegendes Problem: Fisteln heilen nicht von selbst. Ohne operative Behandlung bleiben sie bestehen. Die Wundversorgung kann nur Folgeschäden verhindern, nicht die Ursache beseitigen. Daher ist die frühzeitige operative Versorgung meist unumgänglich.
Fisteln lassen sich nicht immer verhindern, da viele spontan durch Entzündungen oder Verletzungen entstehen. Dennoch gibt es Ansätze, um das Risiko zu reduzieren.
Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn senkt eine konsequente medikamentöse Therapie das Risiko für Fistelbildung. Patienten sollten Entzündungsschübe ernst nehmen und frühzeitig behandeln lassen.
Nach Operationen am Darm oder im Beckenbereich ist eine sorgfältige Wundpflege wichtig. Infektionen müssen rasch erkannt und behandelt werden, bevor sie sich zu Abszessen und anschließend zu Fisteln entwickeln.
Analfisteln entwickeln sich oft aus unbehandelten Analabszessen. Wer Schmerzen, Schwellungen oder Fieber im Analbereich bemerkt, sollte zeitnah einen Arzt aufsuchen. Eine frühe Behandlung des Abszesses kann die Fistelbildung verhindern.
Die wichtigsten Fistel-Codes (vgl. ICD-Code.de o.J.):
Weitere Fistel-Codes existieren außerhalb der K60-Gruppe (z.B. N82.3 für Rektovaginalfistel, N32.1 für Vesikorektalfistel).
Hoc, Siegfried (1997): Diagnose und Therapie anorektaler Fisteln, in: Deutsches Ärzteblatt, [online] https://www.aerzteblatt.de/archiv/diagnose-und-therapie-anorektaler-fisteln-092ee3bf-8b2a-4943-b22b-667ad7db3e3f [20.11.2025].
ICD-Code.de (o.J.): ICD-10-GM-2025, [online] https://www.icd-code.de [20.11.2025].
Ommer, Andreas et al. (2011): Kryptoglanduläre Analfisteln, in: Deutsches Ärzteblatt, [online] https://www.aerzteblatt.de/archiv/kryptoglandulaere-analfisteln-515452db-3252-46db-bab6-bd7316887cba [20.11.2025].
Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.
Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte medizinisches Fachpersonal.
Notruf: In medizinischen Notfällen wählen Sie 112 (Rettungsdienst) oder 116 117 (Ärztlicher Bereitschaftsdienst).
Veröffentlicht: 2025-12-18