Multiresistente Keime (MRSA)

MRSA steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Diese Bakterien haben ihre genetische Struktur so verändert, dass das Antibiotikum Methicillin gegen sie wirkungslos ist. Zusätzlich sind sie oft gegen weitere Antibiotika resistent.

Staphylokokken besiedeln normalerweise Haut und Schleimhäute vieler Menschen, ohne Probleme zu verursachen. Problematisch werden sie erst, wenn Standard-Antibiotika nicht mehr wirken.

Ursachen

MRSA entsteht durch genetische Veränderungen, die Staphylococcus aureus-Bakterien unempfindlich gegen Methicillin und andere Beta-Laktam-Antibiotika machen. Das natürliche Erregerreservoir ist der Mensch, insbesondere der Nasen- und Rachenraum. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über Handkontakt, Tröpfchen beim Niesen oder Husten und kontaminierte Oberflächen.

MRSA-Bakterien sind äußerst widerstandsfähig gegenüber Trockenheit und Hitze. Sie können teilweise über Monate auf unbelebten Flächen überleben. Das macht sie vor allem im Krankenhaus besonders schwierig zu kontrollieren.

Es gibt drei Haupttypen von MRSA, die sich nach ihrem Entstehungsort unterscheiden:

  • HA-MRSA (healthcare-associated): wird in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen erworben
  • CA-MRSA (community-associated): wird außerhalb des Gesundheitswesens erworben
  • LA-MRSA (livestock-associated): tritt bei landwirtschaftlichen Nutztieren auf, besonders bei Schweinen

Menschen mit beruflichem Kontakt zu Schweinen haben ein extrem hohes Risiko für MRSA-Besiedlung – 86% der Schweinehalter sind betroffen (vgl. Köck et al. 2011). Dies ist sogenanntes livestock-assoziiertes MRSA.

Symptome

Man unterscheidet zwischen Besiedelung und Infektion. Bei einer Besiedelung, medizinisch Kolonisation genannt, ist MRSA vorhanden, verursacht aber keine Symptome. Die Person merkt nichts davon. Bei einer Infektion verursacht MRSA dagegen entzündliche Reaktionen und Krankheitssymptome.

Rund 132.000 Menschen mit MRSA kommen pro Jahr in deutsche Kliniken (vgl. Köck et al. 2011). Darunter sind sowohl symptomfreie Träger als auch Infizierte. Nicht alle entwickeln also eine behandlungsbedürftige Erkrankung.

Wenn eine Infektion entsteht, sind die häufigsten Symptome:

  • Hautinfektionen, besonders an Wunden
  • Eiteransammlungen (Abszesse)
  • Bei Invasion in die Blutbahn: Sepsis (Blutvergiftung)
  • Nekrotisierende Pneumonie (schwere Lungenentzündung mit Mortalität über 30%)
  • Fasziitis (Entzündung der Bindegewebshülle)
  • Myositis (Muskelentzündung)
  • Endokarditis (Herzinnenhautentzündung)

Die Schwere der Infektion hängt stark davon ab, wo MRSA in den Körper eindringt. Schwere Infektionen wie Sepsis treten doppelt so häufig mit Todesfällen auf wie bei empfindlichen Staphylokokken.

Multiresistente Keime (MRSA) – Bedeutung in der Wundversorgung

Für Wundversorger ist MRSA ein besonders relevantes Thema. Etwa 7% der Staphylococcus-aureus-Nachweise im Krankenhaus sind MRSA (vgl. RKI 2023). Das bedeutet, dass bei diesen Fällen Standard-Antibiotika nicht wirken.

Wunden bieten MRSA einen idealen Eintrittspunkt in den Körper. Besonders chronische Wunden oder postoperative Wundinfektionen sind gefährdet. Die Herausforderung für Wundexperten liegt darin, Wundinfektionen frühzeitig zu erkennen und geeignete Behandlungsstrategien zu wählen.

Präventive Aspekte sind in der Wundversorgung wichtig. Strikte Handhygiene ist die wichtigste Maßnahme, um eine Übertragung zu verhindern. MRSA-Bakterien überleben monatelang auf Oberflächen, daher ist die gründliche Desinfektion von Arbeitsflächen, Instrumenten und Verbandstoffen nötig.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegekräften und Wundexperten ist bei MRSA-Fällen besonders wichtig. Wundexperten müssen wissen, wann ein Abstrich notwendig ist und wie man kolonisierte von infizierten Wunden unterscheidet.

Best Practices im Wundmanagement umfassen: – Regelmäßige Wundbeurteilung – Angemessene Wundauflagen, die eine feuchte Wundheilung fördern – und frühzeitige Meldung von Verdachtsfällen an den behandelnden Arzt.

Prävention

Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist verantwortungsvoller Antibiotika-Einsatz. Jeder unnötige Einsatz von Antibiotika fördert die Entwicklung von Resistenzen. Standard-Hygienemaßnahmen, besonders Handhygiene, sind in medizinischen Einrichtungen unerlässlich.

In Krankenhäusern wird bei Risikopatienten ein Screening bei Aufnahme durchgeführt. Zu den Risikogruppen gehören:

  • Menschen über 60 Jahre
  • Personen mit häufigen Krankenhausaufenthalten
  • Bewohner von Pflegeheimen
  • Menschen mit chronischen Hautschädigungen oder Diabetes
  • Personen mit wiederholten Antibiotikatherapien
  • Berufstätige in der Landwirtschaft mit Kontakt zu Nutztieren
  • Reisende aus Hochprävalenzgebieten wie Griechenland oder Türkei

ICD-10 Klassifikation

MRSA hat mehrere spezifische ICD-10 Codes:

  • B95.62 – Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus als Ursache von anderweitig klassifizierten Krankheiten. Wird als Zusatzcode verwendet, die Primärdiagnose ist die Infektionsstelle (z.B. Wunde, Pneumonie). Kann nicht als alleinige Primärdiagnose verwendet werden.
  • A49.02 – Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Infektion, nicht näher bezeichnete Lokalisation. Wird verwendet, wenn die spezifische Infektionsstelle nicht bekannt ist.
  • A41.02 – Sepsis durch Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus.
  • Z86.14 – Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Infektion in der Eigenanamnese.

Quelle: https://www.icd-code.de

Quellen

Köck, R., Becker, K., Mellmann, A., et al. (2011): Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus in Deutschland, [online] Deutsches Ärzteblatt, https://www.aerzteblatt.de/archiv/methicillin-resistenter-staphylococcus-aureus-in-deutschland-4ef55c67-e6d2-496f-b238-5fdc8d633263 [01.12.2025].

RKI (2023): Häufigkeit, Eigenschaften und Verbreitung von MRSA in Deutschland – Zur Situation 2021/2022, [online] Epidemiologisches Bulletin 44/2023, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2023/44/Art_01.html [26.01.2026].

ICD-Code.de (o.J.): ICD-10-GM Diagnoseschlüssel, [online] https://www.icd-code.de [01.12.2025].


Fachliche Information

Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.  

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Veröffentlicht: 2026-02-12