Nekrose

Nekrose bezeichnet das Absterben von Gewebe in einem lebenden Körper. Aus dem Griechischen: „nekro” steht für tot oder gestorben (vgl. IQWiG o.J.). Anders als beim normalen Zelluntergang handelt es sich um einen unkontrollierten Vorgang, bei dem zuvor lebendige Zellen und Gewebepartien zugrunde gehen (vgl. Dissemond et al. 2022: 369). Die Folgen reichen weit über die betroffene Stelle hinaus. Unbehandelt gefährdet eine Nekrose den gesamten Organismus.

Ursachen

Gewebe stirbt ab, wenn es nicht mehr genug Sauerstoff und Nährstoffe bekommt. Der häufigste Grund: Durchblutungsstörungen. Sie treten etwa bei Druckschädigungen (Dekubitus) oder beim diabetischen Fußsyndrom auf. Daneben bringen auch äußere Einwirkungen Gewebe zum Absterben, darunter Verbrennungen, Erfrierungen, mechanische Verletzungen sowie bestimmte Bakterien und Gifte.

Formen und Symptome

Wundexperten unterscheiden vor allem zwei Erscheinungsformen.

  1. Trockene Nekrose: Festes, ledriges Gewebe, bräunlich bis schwarz verfärbt. Es haftet an der Wundfläche. Bakterien besiedeln es nur wenig.
  2. Feuchte Nekrose: Gelbliches, schwammiges Gewebe mit unangenehmem Geruch, oft stark bakteriell besiedelt. Diese Form verlangt sofortige ärztliche Behandlung, weil sie sich rasch ausbreitet und zu schweren Infektionen führt.

Typisch für beide Formen ist eine gerötete Umgebung. Schmerzen treten nicht immer auf. Besonders bei Nervenschäden durch Diabetes fehlen sie häufig, obwohl das Gewebe bereits schwer geschädigt ist.

Nekrose in der Wundversorgung

Abgestorbenes Gewebe bleibt in einer Wunde nicht folgenlos. Es dient Bakterien als Nährboden und blockiert gleichzeitig die Bildung von gesundem Gewebe (vgl. Mervis, Phillips 2025). Die Heilung stagniert oder verzögert sich erheblich. Vor allem feuchte Nekrosen gefährden den gesamten Organismus, weil schwere Systeminfektionen wie Bakteriämie (Bakterien im Blut) drohen (vgl. Mervis, Phillips 2025). Nekrotisches Gewebe muss deshalb entfernt werden. Das Verfahren heißt Débridement (Wundreinigung).

Die Initiative Chronische Wunde (ICW) versteht unter Débridement das gezielte Ablösen und Entfernen von totem Gewebe, Wundkrusten und eingelagerten Fremdkörpern (vgl. Dissemond et al. 2022: 369). Das senkt das Infektionsrisiko, macht die Wunde besser beurteilbar und bringt die Heilung in Gang.

Welche Methode zum Einsatz kommt, richtet sich nach der Nekrose-Form. Die ICW beschreibt sieben anerkannte Verfahren:

  • Autolytisch: Feuchte Wundauflagen (z.B. Hydrogele) weichen Nekrosen auf und lösen sie ab
  • Chirurgisch: Skalpell oder Schere entfernen Nekrosen zügig, geeignet bei großflächigen Befunden
  • Scharfes Debridement: Geht immer bis an den Rand des vitalen Gewebe ( nicht ins blutige)
  • Biochirurgisch: Medizinische Maden entfernen selektiv nekrotisches Gewebe, ohne gesundes zu beschädigen
  • Enzymatisch: Enzyme lösen Nekrosen auf
  • Mechanisch, osmotisch, technisch: Weitere Verfahren je nach Wundsituation

Trockene Nekrosen lassen sich manchmal abwartend und trocken abdecken. Feuchte Nekrosen verlangen rasches Handeln: eine ärztliche oder chirurgische Behandlung darf hier auf keinen Fall aufgeschoben werden.

ICD-10 Klassifikation

Nekrose wird im ICD-10 üblicherweise im Kontext der ursächlichen Erkrankung kodiert, beispielsweise:

  • L89 – Dekubitus (Druckgeschwür, häufig mit Nekrose)
  • E11.5 – Typ-2-Diabetes mit peripheren Gefäßkomplikationen
  • I70.2 – Atherosklerose der Extremitätenarterien (Gefäßverkalkung)

Quellen

Dissemond, Joachim, Bültemann, Anke, Gerber, Veronika, Motzkus, Martin, Münter, Karl Christian, Erfurt-Berge, Cornelia (2022): Positionspapier der Initiative Chronische Wunde (ICW) e. V. zur Nomenklatur des Débridements chronischer Wunden, in: Hautarzt, Jg. 73, Nr. 5, S. 369–375, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9085679/ [24.02.2026].

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (o.J.): Nekrose. Gesundheitslexikon, [online] https://www.gesundheitsinformation.de/glossar/nekrose.html [24.02.2026].

Mervis, Joshua S., Phillips, Tania J. (2025): Druckverletzungen, in: MSD Manual Profi-Ausgabe, [online] https://www.msdmanuals.com/de/profi/erkrankungen-der-haut/druckverletzung/druckverletzungen [24.02.2026]. 


Fachliche Information

Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.

Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte medizinisches Fachpersonal.

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Veröffentlicht: 2026-04-02