Osteomyelitis

Osteomyelitis (Knochenentzündung) ist eine durch Bakterien, Mykobakterien oder Pilze verursachte Entzündung des Knochengewebes. Die chronische Form entsteht, wenn das Gleichgewicht zwischen Bakterienvirulenz und Abwehrkraft des Körpers gestört ist und avitales (abgestorbenes) Knochengewebe vorliegt. In Industrieländern entstehen etwa 80 Prozent der Knocheninfektionen durch Verletzungen oder nach Operationen (vgl. Walter et al. 2012).

Diese Dominanz der exogenen Übertragungswege macht Osteomyelitis zu einem relevanten Risiko in der Unfallchirurgie und Wundversorgung.

Die Erkrankung kann akut auftreten oder chronisch verlaufen. Ohne erfolgreiche Frühbehandlung chronifizieren 10 bis 30 Prozent der akuten Fälle. Bei der chronischen Form bilden Bakterien auf nekrotischem Gewebe Biofilme, die Antibiotika nur schwer erreichen.

Ursachen

Bakterien gelangen auf zwei Wegen in den Knochen. Am häufigsten ist die kontiguöse Ausbreitung: Erreger dringen von angrenzenden infizierten Geweben oder offenen Wunden direkt in den Knochen ein. Besonders gefährdet sind Menschen mit offenen Frakturen (Knochenbrüchen), nach Operationen mit Implantaten, bei Druckgeschwüren oder infizierten Wunden am diabetischen Fuß.

In mehr als der Hälfte der Fälle ist Staphylococcus aureus ursächlich. Seltener tritt hämatogene Osteomyelitis auf, bei der Bakterien über die Blutbahn zum Knochen gelangen. Diese Form betrifft Kinder häufiger als Erwachsene.

Risikofaktoren umfassen Diabetes mellitus, periphere arterielle Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörungen), intravenösen Drogenkonsum und Hämodialyse (Blutwäsche).

Bedeutung in der Wundversorgung

Für Wundexperten ist Osteomyelitis hochrelevant: Mehr als jede fünfte moderate diabetische Fußinfektion betrifft auch den Knochen (vgl. Lázaro Martínez et al. 2019). Neuropathie (Nervenschädigung) und Durchblutungsstörungen erschweren dabei die Früherkennung.

Die rechtzeitige Diagnose stellt eine Herausforderung dar. Der Probe-to-bone-Test (Sondierung des Knochens durch die Wunde) erreicht eine Sensitivität von 60 Prozent und eine Spezifität von 91 Prozent. Konventionelles Röntgen zeigt Veränderungen erst nach zwei bis vier Wochen. MRT (Magnetresonanztomographie) ermöglicht eine frühere Diagnose.

Beim diabetischen Fuß erreichen sowohl die konservative als auch die chirurgische Therapie einen primären Behandlungserfolg von über 60 Prozent (vgl. Rafeiner 2008). Diese Erfolgsrate belegt, dass eine konsequente Behandlung die Infektion häufig kontrollieren kann. Allerdings erleiden über Jahre hinweg 50 Prozent der Patienten mit peripherer Osteomyelitis eine Amputation. Diese Langzeitprognose unterstreicht die Bedeutung präventiver Maßnahmen und frühzeitiger Intervention.

Behandlung

Die Standardbehandlung der chronischen Osteomyelitis kombiniert chirurgische Entfernung von abgestorbenem Gewebe mit langfristiger Antibiotikagabe. Diese kombinierte Therapie erreicht in 70 bis 90 Prozent der Fälle eine anhaltende Infektberuhigung (vgl. Walter et al. 2012). Die hohe Erfolgsrate verdeutlicht, warum beide Behandlungskomponenten notwendig sind.

Der chirurgische Anteil umfasst Sequestrektomie (Entfernung von abgestorbenem Knochen) und Dead-Space-Management (Auffüllung von Hohlräumen).

ICD-10 Klassifikation

Die Osteomyelitis wird unter M86 klassifiziert:

  • M86.0 – Akute hämatogene Osteomyelitis
  • M86.1 – Sonstige akute Osteomyelitis
  • M86.4 – Chronische Osteomyelitis mit Fistel
  • M86.6 – Sonstige chronische Osteomyelitis
  • M86.9 – Osteomyelitis, nicht näher bezeichnet

Quelle: ICD-Code.de, https://www.icd-code.de/icd/code/M86.-.html

Quellen

MSD Manual Professional Edition (o.J.): Osteomyelitis, [online] https://www.msdmanuals.com/professional/musculoskeletal-and-connective-tissue-disorders/infections-of-joints-and-bones/osteomyelitis [12.01.2026].

Rafeiner, P. (2008): Diabetischer Fuss: Osteomyelitis, [online] https://infekt.ch/2008/11/diabetischer-fuss-osteomyelitis/ [12.01.2026].

Lázaro Martínez, J. L., García Álvarez, Y., Tardáguila-García, A., García Morales, E. (2019): Optimal management of diabetic foot osteomyelitis: challenges and solutions, in: Diabetes, Metabolic Syndrome and Obesity, Jg. 12, S. 947–959, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6593692/ [04.02.2026].

Walter, G., Kemmerer, M., Kappler, C., Hoffmann, R. (2012): Behandlungsalgorithmen der chronischen Osteomyelitis, in: Deutsches Ärzteblatt, [online] https://www.aerzteblatt.de/archiv/behandlungsalgorithmen-der-chronischen-osteomyelitis-eac2ec18-eb1d-409b-9124-e45fddd4a60b [12.01.2026].  


Fachliche Information

Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.

Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte medizinisches Fachpersonal.

Notruf: In medizinischen Notfällen wählen Sie 112 (Rettungsdienst) oder 116 117 (Ärztlicher Bereitschaftsdienst).

Veröffentlicht: 2026-02-12