
Phagozytose bezeichnet einen Vorgang, bei dem spezialisierte Immunzellen körperfremde oder schädliche Partikel aufnehmen und abbauen. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet “Zellfressung”. Dieser Mechanismus gehört zur angeborenen Immunabwehr und funktioniert sofort bei Kontakt mit Eindringlingen. Bakterien, abgestorbene Gewebeteile oder Fremdkörper werden erkannt, umschlossen und unschädlich gemacht.
Im Unterschied zu anderen Transportvorgängen der Zelle nimmt die Phagozytose besonders große Partikel auf, etwa ganze Bakterien oder tote Zellen (vgl. Altmeyers Enzyklopädie o.J.). Der Körper kann so kontinuierlich aufräumen und Infektionen bekämpfen.
Die primäre Aufgabe der Phagozytose liegt in der Abwehr von Krankheitserregern und der Beseitigung von Zelltrümmern. Sie bildet die erste Verteidigungslinie gegen eindringende Bakterien, Pilze oder Viren. Gleichzeitig trägt sie zur Gewebereinigung bei, indem abgestorbene oder beschädigte körpereigene Zellen entfernt werden.
Dieser Aufräumprozess ist unverzichtbar für Heilungsvorgänge. Ohne funktionierende Phagozytose würden sich tote Zellen und Bakterien im Gewebe ansammeln, was Entzündungen verstärken und Heilung verhindern würde. Die Phagozyten fungieren als zelluläre Müllabfuhr und Desinfektionseinheit zugleich.
Der Ablauf folgt einem festen Muster: Die Fresszelle erkennt den Eindringling, bildet fingerartige Fortsätze aus und umschließt ihn vollständig. Im Inneren der Zelle wird der Eindringling in ein Bläschen eingeschlossen und mit aggressiven Substanzen zerstört. Die Abtötung erfolgt binnen Sekunden nach der Aufnahme (vgl. Deutsches Ärzteblatt 2018). So verhindert der Körper, dass sich Erreger ausbreiten können. Die Reste werden von der Zelle verwertet oder ausgeschieden.
Die wichtigsten Fresszellen sind Makrophagen (wörtlich: “große Fresser”) und Granulozyten. Makrophagen sind langlebige Zellen, die ständig durch das Gewebe patrouillieren. Granulozyten, vor allem neutrophile Granulozyten, sind die häufigsten weißen Blutkörperchen. Sie werden bei Infektionen massenhaft an den Ort des Geschehens gerufen und sterben nach kurzer Zeit ab.
In der Wundheilung spielt die Phagozytose eine zentrale Rolle. Fresszellen beseitigen Bakterien, verhindern Infektionen und räumen abgestorbenes Gewebe weg. Ohne diese Aufräumarbeit kann kein Reparaturprozess beginnen.
Makrophagen verändern dabei ihre Funktion im Verlauf der Heilung. Anfangs bekämpfen sie Erreger aggressiv. Später schalten sie um und fördern stattdessen die Gefäßneubildung und den Gewebeaufbau (vgl. Altmeyers Enzyklopädie o.J.). Bei chronischen Wunden ist dieser Wechsel gestört, was die Gewebereparatur beeinträchtigt (vgl. Krzyszczyk et al. 2018). Eine funktionierende Phagozytose ist daher Voraussetzung für erfolgreiche Wundversorgung.
Deutsches Ärzteblatt (2018): Wie Phagozyten Bakterien abtöten, [online] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/92045/Wie-Phagozyten-Bakterien-abtoeten [12.01.2026].
Altmeyers Enzyklopädie (o.J.): Phagocytosis, [online] https://www.altmeyers.org/en/internal-medicine/phagocytosis-154160 [12.01.2026].
Altmeyers Enzyklopädie (o.J.): Makrophage, [online] https://www.altmeyers.org/de/allergologie/makrophage-27765.amp [12.01.2026].
Krzyszczyk, P., Schloss, R., Palmer, A., Berthiaume, F. (2018): The Role of Macrophages in Acute and Chronic Wound Healing and Interventions to Promote Pro-wound Healing Phenotypes, in: Frontiers in Physiology, Jg. 9, Art. 419, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5938667/ [04.02.2026].
Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.
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Veröffentlicht: 2026-02-12
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