
Satellitenwunden sind kleinere Wunden in der unmittelbaren Umgebung einer Hauptwunde. Sie sind keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Befund der Wundbeurteilung. Fachlich betrachtet betreffen sie die Wundumgebung, also jenen Bereich, „der an den Wundrand grenzt und die Wunde umgibt” (Protz 2017: 40). Satellitenwunden weisen damit auf eine geschädigte, besonders gefährdete Hautzone hin.
Der Auslöser ist fast immer eine Grunderkrankung, die Haut und Gewebe großflächig schädigt. Nicht nur an einer Stelle. Die gesamte Umgebung der Hauptwunde ist derart geschwächt, dass sich dort weitere kleine Wunden bilden.
Typischerweise treten Satellitenwunden bei der CVI (chronisch-venösen Insuffizienz, einer dauerhaften Störung des venösen Blutflusses), beim Diabetischen Fußsyndrom oder bei der pAVK (peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, einer Verengung der Beingefäße) auf.
Die Wundumgebung zeigt verschiedene Zustandsbilder: Sie reicht von trocken-rissiger über mazerierte (durch anhaltende Feuchtigkeit aufgeweichte) bis hin zu livider (blauviolett verfärbter) oder erythematöser (geröteter) Haut. Schwellungen, Blasenbildung, Juckreiz und eben auch Satellitenwunden gehören zu den dokumentierbaren Befunden der Wundumgebung (vgl. AMBOSS 2025). Zusammengenommen ergeben diese Befunde ein Bild der Gesamtsituation rund um die Wunde.
Neue Satellitenwunden im Wundverlauf verdienen besondere Aufmerksamkeit. Wundinfektionen verschlimmern sich stufenweise: von der harmlosen Keimbesiedlung über eine lokale Infektion bis hin zur systemischen Ausbreitung (vgl. Dissemond, Rembe et al. 2025: 565–575). Treten neben klassischen Infektionszeichen wie Rötung, Schwellung oder vermehrtem Wundexsudat (Wundflüssigkeit) auch neue Gewebedefekte in der Wundumgebung auf, sollte das ärztliche Team zeitnah einbezogen werden.
Gründliche Dokumentation steht an erster Stelle. „Was nicht dokumentiert ist, gilt als nicht gemacht” (Protz 2017: 40), und dieser Grundsatz gilt ganz besonders für Befunde der Wundumgebung, weil sie Veränderungen im Wundverlauf sichtbar machen.
Der Umgang mit Satellitenwunden folgt in der Praxis mehreren Grundsätzen:
Satellitenwunden haben keinen eigenen ICD-10-Code. Die Codierung erfolgt nach der zugrunde liegenden Erkrankung, beispielsweise (vgl. BfArM 2025):
AMBOSS GmbH (2025): Chronische Wunden und Wundbehandlung, [online] https://www.amboss.com/de/wissen/chronische-wunden-und-wundbehandlung/ [02.03.2026].
BfArM – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (2025): ICD-10-GM Version 2025, Systematisches Verzeichnis, [online] https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-10-GM/_node.html [02.03.2026].
Dissemond, Joachim; Rembe, Julian-Dario et al. (2025): Systematik, Diagnostik und Therapie von Wundinfektionen chronischer Wunden: Ein Positionspapier von WundDACH, in: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Jg. 23, Nr. 5, S. 565–575, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12087707/ [02.03.2026].
Protz, Kerstin (2017): Was gehört in die Wunddokumentation?, in: Die Schwester | Der Pfleger, Jg. 56, Nr. 9, S. 40, [online] https://www.bibliomed-pflege.de/sp/artikel/33059-was-gehoert-in-die-wunddokumentation [02.03.2026].
Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.
Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen konsultieren Sie bitte medizinisches Fachpersonal.
Notruf: In medizinischen Notfällen wählen Sie 112 (Rettungsdienst) oder 116 117 (Ärztlicher Bereitschaftsdienst).
Veröffentlicht: 2026-04-10