
Skin Tears (Hauteinrisse) entstehen, wenn mechanische Kräfte die Hautschichten voneinander lösen (vgl. Van Tiggelen et al. 2020: 146). Reibung, Scherkräfte (seitliche Zugkräfte auf die Haut) und das Ablösen von Klebemitteln zählen zu den häufigsten Auslösern. Betroffen sind meist die Extremitäten, sowohl Arme als auch Beine. Die Verletzung reicht nie bis in die Unterhaut (Subkutis). In Krankenhäusern und Pflegeheimen trifft es bis zu 4 von 10 Patienten (vgl. Serra et al. 2018: 38), was Hauteinrisse zu einem weit verbreiteten Versorgungsproblem macht.
Mit dem Alter wird die Haut dünner und verletzlicher. Kollagen (festigendes Strukturprotein), Elastin (elastische Fasern) und Fettgewebe gehen zurück (vgl. Serra et al. 2018: 38). Übrig bleibt eine dünne, spröde Haut mit verminderter Widerstandskraft. Dehydration (Flüssigkeitsmangel) und Mangelernährung verschärfen das Problem.
Auch Medikamente tragen dazu bei: Kortikosteroide (entzündungshemmende Arzneimittel) und Antikoagulanzien (Blutverdünner) stehen im Verdacht, die Hautverletzlichkeit zusätzlich zu erhöhen (vgl. Serra et al. 2018: 39). Wer bereits gestürzt ist, unter eingeschränkter Mobilität oder unter sensorischen Defiziten leidet, trägt ein zusätzlich erhöhtes Risiko (vgl. Serra et al. 2018: 39).
Das klassische Bild zeigt einen Hautriss mit sichtbarem Lappen: ein Gewebefetzen, der sich durch Scherkraft oder Reibung unbeabsichtigt gelöst hat. Der Wundgrund liegt teilweise oder vollständig frei, je nach Schweregrad.
Das ISTAP (International Skin Tear Advisory Panel) unterteilt Skin Tears in drei Typen (vgl. Van Tiggelen et al. 2020: 147):
Diese Einteilung bestimmt unmittelbar die weitere Behandlung.
Die Versorgung beginnt mit der korrekten Klassifikation. Frühzeitige Identifikation, sorgfältige Dokumentation und ein evidenzbasiertes Protokoll bilden die Grundlage guter Praxis (vgl. Van Tiggelen et al. 2020: 148).
Als Verbandmaterial gelten Silikonverbände (nicht haftende Verbände mit Silikonkontaktschicht) als bevorzugte Option. In einer randomisierten Studie heilten damit fast alle Wunden binnen drei Wochen ab, in der Vergleichsgruppe nur etwa ein Drittel (vgl. LeBlanc, Woo 2021: 125). Die Heilungszeit halbierte sich (vgl. LeBlanc, Woo 2021: 125). Silikonprodukte verkleben nicht mit dem Wundgrund und schonen beim Wechsel die fragile Umgebungshaut.
Regelmäßige Hautpflege steht an erster Stelle. Zweimal tägliches Eincremen mit feuchtigkeitsspendenden Produkten gilt als wirksame Maßnahme gegen Hauteinrisse (vgl. Van Tiggelen et al. 2020: 148). Beim Umlagern und Positionieren gilt es, Scherkräfte und Reibung durch schonende Techniken zu verringern.
Gefährdete Personen lassen sich über eine systematische Risikostratifizierung frühzeitig erkennen (vgl. Serra et al. 2018: 41). Hohes Alter, trockene Haut, bestimmte Medikamente, eingeschränkte Mobilität und häufige Stürze sind dabei die zentralen Anhaltspunkte.
Skin Tears haben keinen eigenen ICD-10-GM Code. Die Kodierung erfolgt nach Lokalisation, beispielsweise:
Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), ICD-10-GM Version 2026, [online] https://www.icd-code.de/icd/code/S51.-.html [03.03.2026].
LeBlanc, Kimberly, Woo, Kevin (2021): A pragmatic randomised controlled clinical study to evaluate the use of silicone dressings for the treatment of skin tears, in: International Wound Journal, Jg. 19, Nr. 1, S. 125–134, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8684852/ [03.03.2026].
Serra, Raffaele, Ielapi, Nicola, Barbetta, Andrea, de Franciscis, Stefano (2018): Skin tears and risk factors assessment: a systematic review on evidence-based medicine, in: International Wound Journal, Jg. 15, Nr. 1, S. 38–42, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7950130/ [03.03.2026].
Van Tiggelen, H., et al. (2020): Standardizing the classification of skin tears: validity and reliability testing of the International Skin Tear Advisory Panel Classification System in 44 countries, in: British Journal of Dermatology, Jg. 183, Nr. 1, S. 146–154, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7384145/ [03.03.2026].
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Veröffentlicht: 2026-04-10