Vakuumtherapie (Vac-Therapie) 

Vakuumtherapie (auch NPWT, Negative Pressure Wound Therapy, oder VAC-Therapie) bezeichnet ein Verfahren der Wundversorgung, bei dem kontrollierter Unterdruck auf eine schlecht heilende Wunde wirkt. Dabei wird die Wunde luftdicht mit einem Schaumstoff- oder Spezialverband abgedeckt, an den ein dünner Schlauch angeschlossen ist. Über diesen Schlauch saugt eine Pumpe Wundflüssigkeit ab und baut so den Unterdruck auf (vgl. IQWiG 2025). Seit 1997 gilt das Verfahren als etabliert und wird mittlerweile sowohl stationär als auch ambulant eingesetzt (vgl. Normandin et al. 2021: 164).

Funktionsweise

Vier Mechanismen greifen ineinander. Die Wundränder rücken näher aneinander und die Wundfläche verkleinert sich. Parallel dazu saugt die Pumpe Exsudat (Wundsekret) samt entzündungsfördernder Substanzen ab. Das Ödem (Gewebsschwellung) geht zurück, die Durchblutung steigt.

Die luftdichte Abdeckung hält Feuchtigkeit und Wärme in der Wunde. Statt täglicher Verbandwechsel genügen alle zwei bis drei Tage neue Verbände, was die Wunde weitaus weniger stört. Auf zellulärer Ebene lösen mechanische Zugkräfte Zellteilung, Angiogenese (Neubildung von Blutgefäßen) und die Bildung von Granulationsgewebe (frischem Wundgewebe) aus (vgl. Zaver et al. 2026).

Anwendungsgebiete

Zum Einsatz kommt die Vakuumtherapie bei Wunden, die sich mit herkömmlichen Verbänden nicht ausreichend versorgen lassen:

  • Chronische Wunden: Venöse Unterschenkelgeschwüre (Ulcus cruris venosum), diabetische Fußgeschwüre (Ulcus diabeticum) und Druckgeschwüre (Dekubitus).
  • Komplizierte Operationswunden: Etwa nach Wunddehiszenz (auseinanderklaffende Naht).
  • Tiefe Wunden: Mit stark erhöhtem Exsudataufkommen.
  • Transplantationsvorbereitung: Wunden, die vor einer Hauttransplantation vorbereitet werden müssen.

Wirksamkeit

Eine Auswertung von 45 Studien belegt den Vorteil bei Operationswunden mit erschwerter Heilung: Bei rund 95 von 100 Patienten heilte die Wunde innerhalb von sechs Wochen ab, mit Standardversorgung waren es etwa 88 von 100 (vgl. IQWiG 2025). Jede offene Wunde, die länger als nötig besteht, erhöht das Infektionsrisiko.

Bei Wunden, die sich nicht chirurgisch verschließen lassen (sekundäre Wundheilung), fiel der Krankenhausaufenthalt im Schnitt fünf Tage kürzer aus, von 23 auf rund 18 Tage (vgl. IQWiG 2025). Besonders auffällig sind die Ergebnisse beim diabetischen Fußsyndrom: Die Rate notwendiger Folgeamputationen war in einer klinischen Studie mit Vakuumtherapie nicht einmal halb so hoch wie bei der Standardversorgung (vgl. Normandin et al. 2021: 167). Für Patienten mit Diabetes hat diese Methode damit unmittelbare praktische Bedeutung.

Grenzen und Kontraindikationen

Nicht jede Wunde eignet sich. Ausgeschlossen ist die Vakuumtherapie bei:

  • Malignen (krebsbedingten) Wunden oder nicht vollständig entferntem Tumorgewebe
  • Freiliegenden Blutgefäßen oder Organen ohne schützende Gewebsbarriere
  • Aktiver Osteomyelitis (Knochenmarksentzündung)
  • Bestimmten Fisteln (röhrenartige Verbindungen zwischen Körperhöhlen)

Die Gründe liegen auf der Hand: Unterdruck auf freiliegenden Blutgefäßen löst schwere Blutungen aus, bei Tumoren besteht ein erhöhtes Blutungsrisiko durch das brüchige Gewebe (vgl. Normandin et al. 2021: 168). Außerdem muss die Wunde zuvor debridiert sein, also von abgestorbenem Gewebe befreit.

Klassifikation

Die Vakuumtherapie selbst ist eine Behandlungsmethode und wird über den OPS (Operationen- und Prozedurenschlüssel) dokumentiert:

  • OPS 8-190.2 ff.: Kontinuierliche Sogbehandlung mit Pumpensystem (nach Behandlungsdauer: bis 7 Tage / 8–14 Tage / 15–21 Tage / mehr als 21 Tage)
  • OPS 8-190.3 ff.: Kontinuierliche Sogbehandlung mit sonstigen Systemen
  • OPS 8-190.4 ff.: Kontinuierliche Sogbehandlung mit Pumpensystem nach chirurgischem Wundverschluss

Die damit behandelten Wunden werden beispielsweise unter folgenden ICD-10-GM-Codes erfasst:

  • L89 Dekubitus (Druckgeschwür)
  • L97 Ulcus cruris, anderenorts nicht klassifiziert
  • E11.5 Diabetes mellitus Typ 2 mit peripheren vaskulären Komplikationen (diabetisches Fußsyndrom)
  • T81.3 Aufreißen einer Operationswunde (Wunddehiszenz)

Quellen

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (2025): Vakuumversiegelung bei Wunden, [online] https://www.gesundheitsinformation.de/vakuumversiegelung-bei-wunden.html [09.03.2026].

Normandin, S., Safran, T., Winocour, S., Chu, C. K., Vorstenbosch, J., Murphy, A. M., Davison, P. G. (2021): Negative Pressure Wound Therapy: Mechanism of Action and Clinical Applications, in: Seminars in Plastic Surgery, Jg. 35, Nr. 3, S. 164–170, [online] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8432996/ [09.03.2026].

Zaver, V., Marietta, M., Kankanalu, P. (2026): Negative Pressure Wound Therapy, in: StatPearls [online], Treasure Island: StatPearls Publishing, [online] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK576388/ [09.03.2026].


Fachliche Information

Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.

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Veröffentlicht: 2026-04-13