
Xerodermie (auch Xerosis cutis, Xerose oder schlicht trockene Haut) steht für einen Hautzustand, bei dem Fette und feuchtigkeitsbindende Substanzen fehlen. Allein in Deutschland sind mehr als 10 Millionen Menschen betroffen, was diese Diagnose zu einer der häufigsten in der Dermatologie macht (vgl. Augustin et al. 2018: 3–35). Medizinisch gesprochen liegt ein hydrolipidarmer Hautzustand vor: Die natürliche Schutzbarriere der Haut verliert ihre Funktion, Feuchtigkeit verdunstet verstärkt nach außen (vgl. Görz 2019). Problematisch wird das, sobald die geschwächte Barriere Keimen und Schadstoffen den Weg durch die Haut erleichtert.
Äußere und körpereigene Faktoren greifen bei der Entstehung ineinander. Kalte, trockene Luft und aufgeheizte Räume im Winter trocknen die Haut aus (vgl. Görz 2019). Häufiges Waschen mit alkalischen Seifen zerstört den Schutzfilm zusätzlich, ebenso UV-Strahlung und bestimmte Medikamente (vgl. Navarini 2019).
Auf der körpereigenen Seite stehen fortgeschrittenes Alter, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Niereninsuffizienz (Nierenschwäche), Schilddrüsenunterfunktion und die atopische Dermatitis (Neurodermitis) (vgl. Navarini 2019). Mangelernährung oder Flüssigkeitsmangel verschärfen das Problem (vgl. Görz 2019). Die Xerodermie tritt also sowohl eigenständig auf als auch als Begleitsymptom anderer Erkrankungen.
Raue, schuppige Haut ohne Glanz. Dazu ein unangenehmes Spannungsgefühl und Pruritus (Juckreiz). Die Unterschenkel sind am häufigsten betroffen, dort zeigt sich die Schuppung am deutlichsten (vgl. Dinulos 2025).
Bleibt die Trockenheit bestehen, bilden sich Fissuren und Rhagaden (tiefe, schmerzhafte Hautrisse). Im Winter verschlechtern sich die Beschwerden regelmäßig. Wer ständig kratzt, schädigt die Haut zusätzlich und öffnet Infektionserregern den Weg.
Für Wundversorger gehört trockene Haut zum Arbeitsalltag. Rund ein Drittel der berufstätigen Erwachsenen zwischen 16 und 70 Jahren ist betroffen (vgl. Görz 2019), bei pflegebedürftigen und älteren Patienten liegt der Anteil noch wesentlich höher.
Eine geschädigte Hautbarriere lässt Fremdstoffe, Allergene und Krankheitserreger leichter eindringen (vgl. Navarini 2019). Rhagaden bilden regelrechte Eintrittspforten für Keime, auch ohne dass eine klassische Wunde vorliegt. Ältere pflegebedürftige Patienten mit Xerodermie tragen zudem ein erhöhtes Risiko für Dekubitusulzera (Druckgeschwüre) (vgl. Görz 2019).
Hautpflege gehört deshalb zum Wundmanagement. Wer nur die Wunde versorgt, aber die Umgebungshaut vernachlässigt, riskiert Folgeschäden.
Die Behandlung setzt auf eine Kombination aus feuchtigkeitsspendenden und rückfettenden Wirkstoffen, die sowohl den Wassergehalt als auch die Barrierefunktion der Haut verbessern (vgl. Augustin et al. 2018: 3–35). Unter allen verfügbaren Substanzen besitzt Urea (Harnstoff) die stärkste wissenschaftliche Evidenz (Wirkungsnachweis) und gilt als Mittel der ersten Wahl (vgl. Augustin et al. 2018: 3–35).
Ergänzend empfehlen sich milde, pH-neutrale Reinigungsmittel ohne Parfüm. Direkt nach dem Waschen eincremen, solange die Haut noch leicht feucht ist. Heißes Wasser und aggressive Seifen verschlimmern die Trockenheit.
Quelle: https://gesund.bund.de/icd-code-suche/l85-3
Augustin, Matthias, Wilsmann-Theis, Dagmar, Körber, Andreas, Kerscher, Martina, Itschert, Götz, Dippel, Michaela und Staubach, Petra (2018): Positionspapier: Diagnostik und Therapie der Xerosis cutis, in: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (J Dtsch Dermatol Ges), Jg. 16, Supplement 4, S. 3–35, [online] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29989340/ [10.03.2026].
Dinulos, James G. H. (2025): Trockene Haut (Xerodermie), in: MSD Manual Ausgabe für Patienten, [online] https://www.msdmanuals.com/de/heim/hauterkrankungen/mit-verhornung-zusammenh%C3%A4ngende-erkrankungen/trockene-haut-xerodermie [10.03.2026].
Görz, Martina (2019): Xerosis cutis: Raue Zeiten, [online] https://mt-portal.de/im-fokus/raue-zeiten/ [10.03.2026].
Navarini, Alexander (2019): Xerosis cutis – gar (k)ein trockenes Thema, [online] https://www.universimed.com/ch/article/dermatologie/xerosis-cutis-gar-k-ein-trockenes-thema-2163517 [10.03.2026].
Dieser Artikel wurde auf Basis medizinischer Primärquellen erstellt und entspricht aktuellen wissenschaftlichen Standards.
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Veröffentlicht: 2026-04-10